„Zen oder die Kunst, einen Höllenhund zu zähmen“: Das neue Buch von Dr. Bela Wolf ist da!

Coverbild Zen

Sie haben einen schwierigen Hund, einen, der bei jeder Gelegenheit wütend in die Leine springt, der in Angst und Panik verfällt, sobald Sie mit ihm das Haus verlassen, der andere Hunde zum Fressen gerne hat und der sich möglichst kraftvoll in jedes fahrende oder stehende Auto verbeißen möchte, sobald es seinen Weg kreuzt?

Einen, der Besuche im eigenen Haus unmöglich macht, der niemals mit Leckerli bestechlich oder ablenkbar ist und der jeden wachsenden Grashalm zu seinem ganz persönlichen Feind erklärt?

Einen Höllenhund also, den Sie manchmal am liebsten zum Mond schießen möchten?
Dann haben Sie genau das richtige Buch gefunden.
Eines, das Ihnen weiterhelfen kann.

Es handelt sich bei meinem neuen Buch um keinen Ratgeber. Sie bekommen keine Tipps, keine Erziehungsmethoden und auch keine Anleitungen, denn jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, hat seine eigene Geschichte und seine speziellen Macken.

Wie aber kann Ihnen dann dieses Buch helfen, werden Sie sich nun fragen.

Ich durchschritt mit meinem Höllenhund ein Jammertal. Ich kenne jede winkelige Einbahnstraße, jeden Rückschritt, jedes erfundene Argument jeden Trainers, Heilers, Mediators und Flüsterers. Wir hatten das alles durch und fast hätte ich das Handtuch geworfen.

Dann aber entdeckte ich die einzige Antwort auf die Frage, wie man einen diabolischen Höllenhund zähmen kann. Die Antwort ist naheliegend, kostenlos und kinderleicht- aber nur, wenn man auch die richtige Frage stellt!

Jeder kann das Wunder vollbringen!

Und es grenzt oft an ein Wunder, wenn plötzlich aus einem tobenden Tier, das ängstlich, aggressiv und verzweifelt durchs Leben spaziert, ein handzahmer kleiner Schatz wird, ganz ohne Gewalt, ganz ohne Bestechung oder Belohnung, ganz ohne Training und ganz ohne Flüsterei.

Wie das geht? Lesen Sie selbst!

Alles Liebe, Dr. Bela Wolf, der mit dem Höllenhund

Buch kaufen auf Amazon

Probelesen beim Verlag

 

Advertisements

Kleiner Knigge für gute Manieren im Alltag

Wo sind sie abgeblieben, die guten Manieren? Neulich stand ich mit dem Auto am Parkplatz vom Lieblings Drive-In des Höllenhundes.
Manchmal fällt ja doch ein Chicken McNugget durchs Autofenster, wenn eine der netten Tanten Mitleid hat mit dem schreienden armen halb verhungerten leidenden Tier, das seinen Kopf durchs offene Fenster zwängt und schon am Bestellschalter losbrüllt „HE! ICH WILL AUCH WAS ESSEN! HÖREN MICH EH ALLE?“.

Für mich gibt es Kaffee, für das Höllenhundi gute Keksi, damit er die Klappe hält, wenigstens solange wir bestellen.

Und dann parken wir dort, ich, damit ich Zucker in den Kaffee schütten kann, er, damit er Wasser trinkt. (Sie wissen schon: ich bin der Wasseranimateur!)

Da standen wir also am Pfingstfeiertag und waren ganz entspannt, als plötzlich aus dem neben uns parkenden Auto eine schrille Stimme schrie: „Haben Sie Kortison dabei?“
Ich zuckte zusammen. Der Höllenhund knurrte. Um einen Notfall konnte es sich nicht handeln, sonst wäre man nicht in aller Ruhe beim Fastfood eingekehrt.

Tierärzte lieben das, wenn man sie auf offener Straße anquatscht und ausfragt. Wenn sie nicht im Dienst sind, sind sie heilfroh, wenn sie kein verräterisches Zeichen der Äskulapnatter oder sonstige Logos am Auto haben. Leider kleben auf meinem Wagen noch drei davon.

Ich war irritiert. Klar, ich helfe jederzeit, auch ohne ersucht zu werden, wenn der Hut brennt und ich helfen kann. Bei Notfällen bin ich der Erste, der anhält und fragt, ob er was tun kann. Aber so?

„Haben Sie Kortison dabei?“, aus dem Auto zu brüllen, mit furienhaftem Anklang, ist keine gute Idee, um erfolgreich zu sein. Tierärzte mögen es, höflich angesprochen zu werden. Man hätte, da es sich nicht um einen Notfall handelte, etwa sagen können „Entschuldigen Sie bitte, darf ich Sie etwas fragen? Sind Sie der Tierarzt und haben Sie vielleicht zufällig Kortison dabei? Mein Hund wurde vor einer Stunde von einer Wespe gestochen.“ So in der Art wäre das durchaus wünschenswert. Sie fragen ja auch nicht irgendeinen Arzt oder Rettungssanitäter auf offener Straße, ob er ein Klistier dabei hat, oder?

Natürlich stieg ich aus und warf einen Blick auf das Tier, einen großen Hund mit dicker Nase, natürlich hatte ich kein Kortison dabei, natürlich herrschte die Furie ihren armen Hund mit der schmerzenden Nase an „Zurückkkkkkkkkkk! Plaaaaaatz“, und natürlich fuhr sie dann nicht zum Nottierarzt, wie ich ihr empfohlen hatte.

Man kann also auf das Benehmen von Menschen anderen fremden Menschen gegenüber durchaus auf das Verhalten ihren Hunden und Kindern gegenüber Schlüsse ziehen. Einmal Ekel, immer Ekel.
Und wie der Herr so‘s Gscherr: auch der arme Hund war stutenbissig.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Autor, Journalist

 

 

„Zen oder die Kunst, einen Höllenhund zu zähmen“: Das neue Buch von Tierarzt Bela Wolf ist demnächst erhältlich!

covervorschau zen_Page_1.png

Ich darf Ihnen heute mit großer Freude  mein Ende Mai im Buchhandel erscheinendes Buch vorstellen.

Was steht in diesem Buch?

Nennen wir es vielleicht einen Ratgeber dafür, wie Sie Ratgeber am besten vermeiden. Es ist ein Buch gegen Flüstertipps, ausschließlich geschrieben für Hundeliebhaber mit Herz und Empathie.

Das Buch soll ein wenig Erleuchtung bringen in den tristen Alltag der unzähligen fanatischen Hundegruppenanhänger, der dubiosen Erziehungstipps, der blinden Fanatiker und der Menschen, die sogenannte „schwierige“ oder nicht allltagstaugliche Hunde zum Freund haben.

Es soll zum Entschleunigen anspornen, zum Nachdenken anregen und auch zum Bessermachen. Es soll Hunden genau wie ihren Menschen helfen, glücklich zu sein und die aktuelle Lebenssituation zu akzeptieren, ganz egal wie problematisch sie auch im Moment erscheinen mag.

Es soll helfen, an das Gute im Hund zu glauben, auf seine Liebe und Klugheit zu vertrauen sowie Hundehaltung auf das menschliche Bauchgefühl und auf Intuition aufzubauen, nicht auf Training und Befehle.

Was steht nicht in diesem Buch?

Sie finden darin keine Abrichtemethoden, keine dubiosen Heilertipps und auch keine Ratschläge zum Erlernen von Kommandos. Es ist ganz sicher kein Buch für Anhänger brutaler Erziehungsmethoden.

Es ist die wahre Geschichte von einem schwierigen Hund, der zum richtigen Zeitpunkt beim falschen Menschen landete. Um diesen Menschen zum richtigen zu machen, sein Leben nachhaltig zu erschweren, unendlich zu erleichtern, völlig umzukrempeln und letztendlich zum Guten zu wenden.

Wobei auch augenzwinkernd die Sternzeichen mit eine Rolle spielten…
Aber lesen Sie in Kürze selbst, wenn Sie mögen!

Bis bald, herzlichst

Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

 

 

Der Wasseranimateur

wasser
Vielleicht denken Sie nun, mein Hund planscht gerne im Wasser herum oder ist einer, der jede Schwimmgelegenheit nutzt und sei es auch nur eine kurze erfrischende Schlammpackung in einer möglichst tiefen Pfütze.

Weit gefehlt.

Der Hund hasst Wasser, sobald es vom Himmel fällt und auch, wenn es aus dem Gartenschlauch kommt, ist er eine Wolke, die sich schleunigst in Sicherheit bringt. Ins Trockene, sofort! Wasser ist nicht sein Element und ehrlich, meins ist es auch nicht.

Seit aber vorige Woche bei dem Höllenhund Gries in der Harnblase festgestellt wurde in Form widerlicher unbeeinflussbarer Calciumoxalatkristalle, brennt der Hut.

Was brennt muss gelöscht werden.

Mein Hund gehört zum Glück zu der Sorte der Vieltrinker. Was einen enormen Vorteil bedeutet im Fall dieser Diagnose. Denn aus Kristallen wird Gries, aus Gries werden Steine und aus Steinen ein Notfall, der flugs eine Operation benötigt, weil wenn so ein Stein die harnableitenden Wege verstopft ist der Hund schneller im Jenseits als man schauen kann ob er noch lebt.

Das will natürlich keiner.

Um das abzuwenden muss ab sofort auf den richtigen Ph-Wert des Hundeharns geachtet werde, er darf daher bestimmt Dinge, die er gerne frisst, nicht mehr essen. Was bei dieser Sorte Hund, die ohnehin schon schlecht frisst, eine riesige Herausforderung darstellt.
Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass der Vierbeiner viel trinkt.

Und nun komme ich ins Spiel. Ich bin der Wasseranimateur. Ich habe dem Hund schon seit dem ersten Tag bei uns angewöhnt, nach jedem Spaziergang, nach jedem Spiel, nach jeder Autofahrt zu trinken. Dies geht hervorragend indem man sofort nach dem Einsteigen ins Auto dem Lieblingstier seine gewohnte Schale voll mit frischem Wasser unter die Nase hält. Leitungswasser, welches man in Plastikflaschen mitführt.

Dann regt man den Hund an und animiert ihn durch Wasserspiele mit einem Finger, der lustig in der Schüssel plantscht, wobei ganz sicher alle Personen im Auto geduscht werden, zu trinken.

Feines Trinki!, sagt man dann und zeigt sich zufrieden, hocherfreut und megastolz auf den herumsauenden sabbernden Vierbeiner.

Mein Hund trinkt unterwegs gerne aus einer hellblauen Keramikschale, immer in zwei Etappen.

Trinken, schauen, nachfüllen, trinken, schauen, spucken.

Dabei steht er auf seiner ausgebauten Rücksitzbank und hält den Kopf ein wenig zwischen die Vordersitzen, denn so kann man auch beim Trinken die Gegend ganz genau im Auge behalten, auch während man trinkt. Könnte doch einer daherkommen, den er dabei übersieht, nur wegen der Wasserschlemperei! Also, Augen aufreissen und saufen!

Nach jedem Keksi, nach jeder Buttersemmel wird der Hund zum Trinken animiert. Sein Joghurt wird auch stark verwässert, was ihn nicht stört, solange es nach Joghurt schmeckt.

So geht das! Man hält sich als tierischer Patient einen hauseigenen Wassercoach, der einen zum Vieltrinken in allen möglichen und unmögliche Lagen auffordert. Klappt ganz gut, denn die Nierenwerte vom Höllenhund freuen sich darüber. Und wir haben auch immer feuchte Luft im Auto, was die Gesichtshaut der Dame des Hauses erfrischt und hydriert, während ihr im Winter oft die Gesichtszüge kurzfristig entgleisen, weil das Wasser vom Hundi spontan an der Autoscheibe anfriert und Schneeflockenmuster bildet oder herzige Flecken auf der frischen Bluse macht.

Aber wie sagte sie neulich doch so passend zu mir: „Er kann machen was er will, Hauptsache er ist gsund.“.
Recht sie hat!

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

I love my dog, but…

gack sack
Es ist jetzt modern- und man will ja mit der Zeit gehen!- sich vor Publikum auf You Tube oder egal welchen Sozialen Netzwerken auch immer so in Szene zu setzen, dass man als prominenter Mensch (egal ob A, B oder C-Promi) menschlicher wirkt.

Soll heißen, man breitet freiwillig sein gesamtes Leben auf einem öffentlichen roten Teppich aus und zeigt sich verletzlich, man schwelgt in seinen Fehlern oder posiert als Humanoide, dem auch mal was schieflaufen darf. Oder so.

Frei interpretiert heißt das eigentlich, man nimmt den Paparazzi den Job weg. Ich habe mich jetzt nicht wirklich hineingekniet in die Materie, aber ich las darüber, dass es Hollywoods neueste Masche ist, so zu tun als ob.

Ich habe es da besser.

Ich bin nicht prominent, der einzige Mensch, der mich auf der Straße wiedererkennt, ist höchstwahrscheinlich der Gärtner, mit dem ich mich neulich gefetzt hatte. Natürlich wegen meinem Hund. Der bösen Durchfall hatte, wegen dem ewigen leidigen Salz, das auch vier Wochen nach der Ein-Zentimeter-Schnee-Attacke auf Wien noch in drei Zentimeter hohen Schichten auf allen Straßen herumlag, unwegkehrbar, hoch giftig und natürlich war auch kein Tropfen Regen in Sicht, wenn man ihn mal braucht.

Es handelte sich um diese Sorte Durchfall, wo die Hand des Menschen nicht mal mehr rechtzeitig in die Kottüte fahren kann, selbst wenn sie geübt ist.
Hinten aus dem geliebten Hund schießt es heraus und dann ist Schluß mit lustig! Gack-Sack-Pack oder wie man den Spaß sonst noch zackig nennt hat keine Chance gegen die Natur, die von sich geben will, was raus muss.

Ich bückte mich also gerade auf einem kargen Wiesenstück gegenüber des reichen Gärtners Haus, um hinter dem Hinterteil meines geliebten Tieres jede Menge flüssiges Hunde-AA einzutüten. Eigentlich ist es eine Villa, denn er ist auch Friedhofsgärtner und wie wir alle wissen, zahlen die Hinterbliebenen gerne und gut für sinnlose hässliche überteuerte Kränze, die ohnehin keiner mehr braucht, schon gar nicht der Verblichene. Eine Unsitte, die wirklich abgeschafft gehört, wenn Sie mich fragen.

Der Hund pfiff also los und ich kam kaum hinterher mit Wegräumen und dann quoll das Säckchen fast über und wenn Sie je das zweifelhafte Vergnügen hatten, hochgradigen Hundedünnpiff einzusammeln und das hinter einem Hund, der ständig zwei Schritte macht und dann wieder und wieder etwas aus seinem Hinterteil fallen lässt- naja, ich denke, Sie wissen, was ich meine. Es ist nicht lustig.

Irgendwann geht es dann nämlich wirklich über, das Säckchen. Man hat sonst zehn davon in den Taschen, in solchen Momenten ist aber garantiert nur eines da. Und Ihre Hand ist voll, in der anderen verkrampfen sich die klammen Finger um die Leine. Just in dem Moment, wo ich drauf geschissen habe die flüssige Scheisse von der dreckigen Wiese zu kratzen weil sie mir bereits quer über das Handgelenk rann und auch aus dem übervollen Sack, kam der Gärtner mit dem Grabbukett aus seiner Villa.

Er warf den Kranz in seinen Kübelwagen und stapfte zornig über die Gasse Richtung Wiese, seiner Wiese, wie er wohl annahm, obwohl es eine öffentliche Wiese ist, dreckig und zugemüllt von menschlichem Unrat. Aber nun. Er kam auf mich zu und schrie mich an: „Du da nie wieder herkommen, wenn du nicht entsorgst Scheisse von Köter!“ und zückte sein Handy.

Ich, ohnehin zermürbt, verfroren und mit einer eingekoteten Hand nicht sonderlich gut gelaunt, blieb stehen. Ein Wort ergab das andere. Er schritt zu Tat und fotografierte mich und mein Auto, schrie herum, während ich mit dem übervollen Kackbeutel vor seinem Gesicht herumfuchtelte und so tat, als würde ich das Ding in seinen Lieferwagen werfen.
(Dabei wäre mir sein Gesicht das weitaus liebere Ziel gewesen.)

Der Höllenhund machte das, was man von einem Höllenhund am wenigsten erwartete: er tat gar nichts. Er stand nur stumm und kastriert herum und leckte irgendwo konzentriert an einem Grasfleck wo irgendwann eine läufige Hündin markiert hatte. Selbstgefällig und in sich ruhend ignorierte er unser Tourette- Geplärr und speichelte lüstern vor sich hin. So als ob ihn das nichts anginge: Pretend being top dog! So macht das der echte Alpha, er lässt die anderen toben und hält sich erst mal raus.

Ich riss dem Flegel das Handy aus den Pratzen, er riss es wieder an sich. Kurz überlegte ich ob ich dem reichen Sack den vollen Beutel wirklich ins Auto werfen sollte, dann hielt ich inne und griff meinerseits zum Mobiltelefon. Das klingt jetzt sehr elegant.
In Wahrheit wühlte ich übererregt mit der freien Kackhand in meinen Taschen herum weil man das Handy nie findet wenn man es wirklich braucht. Es war kein schöner Anblick.

Der Hund leckte weiter entspannt am Gras herum. Er, den sonst das Geräusch des heranwachsenden Grases wie angestochen toben lässt, war die Ruhe selbst.

Wir schrien herum. Fenster öffneten sich und schlossen sich wieder. Nachdem der Gärtner dort wohnte nahm ich mal an, dass sich niemand auf meine Seite stellen würde, schon wegen der guten Nachbarschaft nicht. Und so war es dann auch. Fenster schlossen sich und blieben zu. Wir stritten weiter.

„Bitte recht freundlich“ sagte ich, als ich endlich das elende Handy gefunden und auf ihn gerichtet hatte, während meine braune Hand den Kackbeutel umklammerte, die Leine hielt und auch den Gärtner festhielt, in Wort und Bild.

Da verschwand er plötzlich mit den Worten „Du dich lassen nie wieder hier blicken mit Hund!“, und brauste mit Lieferwagen und Kränzen davon.
Nun ja. Ich schritt zur Tat, neben seiner Gärtnervilla befindet sich auch seine Blumenhandlung. Rauschte hinein, stellte den Verkäufer zur Rede, ob er den Mann kennt, der mich aggressiv bedroht und fotografiert hatte. Der verneinte. Bis er das Foto sah und auch das Filmchen. „Oh!“, sagte er, und plötzlich erinnerte er sich dann doch wieder, „Das ist ja Papa!“.

Dass ich dort nicht mehr einkaufe, versteht sich wohl von selbst. Papa könne übrigens gar nicht mit Handy umgehen, meinte der Junior-Kranzwinder der Firma W. in 1130 Wien statt einer Entschuldigung.

Ich ging zum Auto wo kleiner Wolf bereits geduldig und handzahm ausharrte.
Sollten Sie mich also demnächst auf einem Foto Kotbeutelchen schwingend auf Social Media wiedererkennen, wissen Sie nun warum: Pretend being freundlich zu Hundehasser.

Nicht die leichteste Übung. Dennoch, ich habe sie absolviert. Denn es ist so: I love my dog, but…

Sie können nun gerne mitspielen! Es befreit und macht Spaß. Und für Kleiner Wolf mache ich mich immer wieder gerne zum Affen. Aber das wissen Sie ja sicher schon.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

Inselbegabung

Vielleicht kennen Sie den Begriff; er betrifft die manchmal außergewöhnliche Begabung an Autismus erkrankter Personen. Man denke nur an den großartigen Dustin Hoffman in Rain Man: Karten zählen im Casino, dafür Licht aus um Zehn! Solche besonderen Fähigkeiten machen autistische Menschen manchmal aus.
Nun nennt eine sehr liebe Facebook Freundin das zu ihr gehörende Exemplar von Höllenhund gerne autistisch und ganz ehrlich, ich kann das voll und ganz nachvollziehen.

Mit kleinen Einschränkungen vielleicht, da sich unsere von Autismus gekennzeichneten Tiere doch meist nur mit einer oder zwei, statt mit drei typischen Kennzeichen des typischen Autisten auszeichnen.

Das erste Merkmal bedeutet mehr oder weniger massive Probleme im sozialen Umgang mit anderen Hunden.
Das kann ich so einhundertprozentig bestätigen, jedenfalls bei meinem Exemplar.

Zweites kennzeichnendes Merkmal wären da die stark eingeschränkten Interessen mit stereotypen, sich ständig wiederholenden Verhaltensweisen.
Auch da stimme ich voll zu ohne weiter auszuholen.

Auffälligkeiten bei der Kommunikation sehe ich hingegen bei meinem Höllenhund nicht, er kommuniziert immer glasklar was er möchte. Und erst recht, was er nicht möchte.
(Das betrifft sowohl die sprachliche als auch die nicht-sprachliche Verständigung.)

Neulich habe ich seinetwegen eine Wette verloren.

Ich habe noch nie so gerne verloren, ich schwöre! Die Dame des Hauses, die mich gelegentlich zum Wetten nötigt (dies aus gutem Grund, denn ich verliere immer!) motivierte mich zu einer Kaffeewette. Ich ließ mich überreden, weil ich mir manchmal einbilde meinen Hund sehr gut zu kennen und sein Verhalten in sehr vielen Belangen zu durchschauen. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall; ich schlug ein und, Sie ahnen es sicher schon, ich verlor natürlich.

Es ging um nichts Besonderes.

Nur wieder mal darum, ob der reizende Hund nach einem Spaziergang bei Minusgraden (deren Tiefe oder Höhe, ganz nach Belieben, ich hier nicht mal mehr schreiben möchte) freiwillig ins Haus geht oder eben nicht. (Eben nicht heißt dann nochmal über versalzene Straßen zu stolpern, immer seiner Nase nach, den ganzen weiten Weg, den man eben mühsam zurückgelegt hat, nochmal zu laufen, denn wenn er halbswegs müde genug ist, der Hund, ist er hauskompatibler.)
Ich latschte also die Strecke hundsmüde und halb erfroren brav ab, umschiffte wie immer sämtliche Gefahrenquellen wie vorbeifahrende Lkw und plötzlich vorhandene diverse unangeleinte Artgenossen und wünschte mir nichts sehnlicher als Sommer und eine heisse Tasse Tee.

Ich schwor aber Stein und Bein, dass der gute Hund auch diesmal noch gerne eine kleine Zusatzrunde machen würde. Weil wenn es besonders widerlich schneit, stürmt oder es andere extreme wetterliche Unbillen draussen hat macht er besonders gerne lang hin.

Halt, hier nochmal extralang stehenbleiben und riechen.

Dabei vielleicht noch verkehrt rum in die Dornen kriechen und dann schnell da raus, während diese ins menschliche Antlitz schnalzen. Und nochmal drei Schritte retour, dort war eventuell noch die fesche Hündin, die grad läufig ist und Hund muss da auf jeden Fall noch dringend hin, obwohl kastriert.

Da noch rüber, hier noch gucken, während Herrchen schon die Nase abfriert. Na und? Juhu, es ist saukalt und ich bin‘s, ein Schlittenhund!

Dann den ersehnten Haufen möglichst weit im Gebüsch oder auf dem Baumstamm direkt vor dem Haus, wo der ungemütlichste Typ vom ganzen Bezirk wohnt, absetzen. Weil besagter Typ immer nur darauf wartet, dass er den Zweibeiner endlich mal erwischt, wenn der grad keine Kacktüte dabei hat.

Sowas spürt ein anständiger Höllenhund. Das ist seine Inselbegabung; er macht mich gerne lächerlich. 

Wer so dramatisch an fixen Gewohnheiten festhält, so richtig mit Akribie und Tücke, den kann man doch getrost benutzen, um eine Wette zu gewinnen? Oder?

Hundert Mal bockt der Hund, wenn‘s ums Heimgehen geht. Wenn aber die Wette gilt, geht er klarerweise sanft wie ein Lämmchen mit der Dame des Hauses nach Hause. Engelsgleich überschreitet er mit ihr zeitgleich und harmonisch die Türschwelle und geht unschuldig Wasser trinken.

Das ergibt dann auch Erklärungsbedarf bei den Wettbeteiligten. Funktioniert dieses Muster auch bei der nächsten Wette wieder? Weil ich nämlich sehr gerne bei arktischem Wetter jedes Mal fünf Euro zahle,  wenn der Hund dafür freundlicherweise zügig unser Haus betritt.

Und drei Mal dürfen Sie raten. Es klappt natürlich- nicht.
Hamkummst!

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

Hochsensibel: Segen und Fluch

avocado

Kennen Sie das?

Sie spüren, was Ihr Gegenüber braucht, weil Sie hochsensibel geboren wurden und Ihre Intuition und Empathie daher sehr viel stärker ausgeprägt ist als bei den meisten anderen Menschen.

Sie spüren auch, was Ihr Haustier von Ihnen braucht. Sie spüren es fast körperlich.
Alle unsensibel zur Welt gekommen Mitmenschen können leider gar nicht verstehen, was ich damit meine, es ist auch sehr schwer in Worte zu fassen, dieses Ahnen von Bedürfnissen.

Hochsensible Menschen sind großartige Freunde, geniale Partner und tolle Hundehalter, wenn sie sich nicht gerade in der Rückzugphase befinden. Leider bezahlen sie in all diesen Konstellationen einen sehr hohen Preis dafür. Denn in den meisten Fällen zahlen sie dabei drauf, körperlich wie auch emotional. (Manchmal auch finanziell.)

Weil sie sekundenschnell erfassen, was das Gegenüber gerade gerne hätte oder braucht, können sie genauso schnell darauf reagieren und diese Erwartungen erfüllen. Und genau das ist auch der Fluch: Wer immer gibt, wer immer versteht, wer immer den Wünschen anderer entgegenkommt, verausgabt sich und vergisst auf sich selbst. Auf seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse.

Das kann eine Weile lang gutgehen, vor allem, wenn man von Menschen umgeben ist, die diese Gabe nicht ausnutzen. Doch gerät man an den Nehmertyp sieht es eher übel aus mit der eigenen Befindlichkeit.

Man steckt zurück. Man vergisst sich selbst.

Man schaut, dass es der Freundin, dem Partner, den Kindern, der Familie, dem Hund gut geht. Und erst dann, irgendwann, viel später oder auch nie, erst wenn alle anderen schon fast perfektionistisch zufriedengestellt und bestens versorgt wurden, dann kommt man selbst. Das macht mit der Zeit nicht glücklich. Es kann sogar krank machen.

Was das mit dem Höllenhund zu tun hat? Sehr viel.
Ein Tier aus dem Tierschutz mit einer furchtbaren Vergangenheit braucht oft hundert Mal mehr Einfühlungsvermögen, tausend Mal mehr Zuwendung, hat meist krankheitsbedingt spezielle Bedürfnisse und bestimmte Anforderungen an den Alltag.

Das kostet Zeit, Energie, Geld und Kraft.
Mein Hund, so sehr ich ihn auch mit jeder Faser meines Herzens liebe, ist so ein Energieräuber.

Es liegt nicht nur daran, dass er in seinen Eigenheiten meinen Alltag sehr erschwert, Hundekontakte unmöglich macht und jeder Gang aus dem Haus zu einer Herausforderung wird, die es täglich neu zu meistern gilt.  Alles will geplant sein, Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf werfen ihn total aus dem Konzept.

Es liegt auch an mir und meiner Art darauf zu reagieren. Ich könnte nun sagen, es ist nur ein Hund, soll er doch machen, wie er will.
Ich aber denke: Ich will, dass er es so schön wie möglich hat. Noch schnell gucken, ob es ihm eh gut geht. Für ihn extra täglich frisch einkaufen und kochen, weil er gerne zu geregelten Zeiten frisst und natürlich nur spezielle Dinge. Noch schnell dies und das und zwei Mann (oder zwei Frau) hoch plus ein Auto, um ihn bei seinen geliebten ausgedehnten Spaziergängen zu eskortieren, ihn irgendwo in die Pampa zu kutschieren, dann das Auto putzen.

Es gibt Tage da denke ich mir: Ist es wirklich sinnvoll, sein ganzes Leben nach einem Hund zu richten?

Der Höllenhund erfordert einen Aufmerksamkeits- und Pflegegrad wie ein Kleinkind; er hält mich 12 Stunden am Tag auf Trab, manchmal auch nachts. Wenn ich Verwandte und Freunde frage, was sie zu dieser verqueren, ungewollten und unerwarteten Mensch-Hund-Konstellation sagen, sehen die mich an, als hätte ich einen Dachschaden. Niemand, den ich kenne, würde so auf die Bedürfnisse seines Hundes eingehen. Weder wollen noch können. Tanten und Onkeln meinten bereits des öfteren mitleidig: Bela, gib ihn doch einfach im Tierheim ab und lebe! Du wirst nicht jünger!

Das kann man sehen wie man will, aber wer mich kennt, weiß, dass es kein Zurück für mich gibt. Wer unter meinem Schutz steht, für den sorge ich, selbst wenn es sich an sehr vielen Tagen meines Lebens anfühlt, als trüge ich eine Zentnerlast auf meinen Schultern.
Niemals Urlaub, niemals eine Auszeit. Bin ich weg, frisst der Hund nicht und wartet. Mitnehmen in Lokale, Hotels oder sonst wohin auf öffentlichen Plätzen ist hochgradig stressig für den Hund und somit für uns beide völlig unmöglich.
Bin ich weg, kann niemand mit dem Hund spazieren gehen.
Ich fühle mich oft wie gefangen.

Denn es gibt keinen Ausweg, der Hund gehört zu mir. Er hat es sich nicht ausgesucht, von der Straße eingefangen, in ein Tierheim eingesperrt und an mich durch einen Verein verkauft zu werden. Ich hätte es mir aussuchen können. Ich bin der Mensch. Und ganz ehrlich: Selbst wenn mich jetzt viele hassen, ich würde es nie weder tun.

Ich würde mir keinen Hund mehr nehmen, den ich nicht wenigstens vorher persönlich gesehen habe. Und ich würde auch niemandem zu dieser Erfahrung raten, einen völlig unbekannten Hund aufzunehmen, dem sein eigener Lebensstil lieb und teuer ist.

Es kann gut gehen, ganz klar.

Nicht alle Hunde sind so marod wie meiner. Es kann aber auch schief gehen. Und was machen Sie dann? Haben Sie die Zeit, Geduld und Liebe, sich intensiv um das Tier zu kümmern? Haben Sie einen Job, der das zulässt? Bringen Sie ausreichend körperliche Belastbarkeit für extreme Situationen in allen Bereichen mit? Winter wie Sommer?

Wollen Sie das wirklich?

Und ich kann Ihnen versichern: Niemand will das wirklich. Man möchte auch gerne Freunde treffen, unter Menschen kommen, nicht ständig zwanzig Augenpaare um jede Straßenecke vorausschauen lassen müssen, um jeden Bissen buhlen, damit der Hund frisst.

Ich würde mir überhaupt keinen Hund mehr nehmen, obwohl ich sicher lange Zeit sehr traurig und einsam sein werde, wenn er einmal nicht mehr da ist.
Als hochsensibler Mensch muss ich nach all den Jahren der Sorge und Plage, (und wer keinen Höllenhund oder chronisch kranken Hund sein Eigen nennt, kann da schlichtweg nicht mitreden!), auch mal wieder auf meine Befindlichkeiten und Bedürfnisse schauen.

Mal wieder, nach sieben Jahren, ein paar Tage auf Urlaub fahren, den Strand entlang bummeln, gemeinsam in einem Kaffeehaus sitzen, der Sonne zusehen, wie sie ins Meer fällt. Keine besonderen Ansprüche, einfach relaxen und ausspannen ohne zu denken: Geht es ihm gut? Hat er wirklich alles? Was macht er gerade zu Hause, weil ich ihn nirgends mitnehmen kann? Bin ich schon zulange weg?

Viele werden jetzt lächeln oder denken, der Tierarzt spinnt. Damit kann ich leben. Ich wurde so geboren, ich kann nichts dafür, ich kann es auch nicht ändern.

Ich bin die Glucke, die meinen sind mir heilig.
Neulich wollten wir einen kleinen Ausflug machen, der Hund, die Dame des Hauses und meine Wenigkeit.
Es war kühl draußen und der Hund liebt es immer sehr, mit dem Auto mitzufahren. Manchmal möchte er gar nicht mehr aussteigen, so gut gefällt es ihm im Auto.
Wir freuten uns auf den Ausflug in die Steiermark; dort wollten wir am Bauernmarkt einkaufen, mit dem Höllentier über die Felder spazieren und gleich wieder heimfahren. Also fuhren wir entspannt mit Sack und Pack los.

Als wir auf der Autobahn waren und die ersten zwanzig Kilometer zurückgelegt hatten wurde der Hund wahnsinnig unruhig. Er konnte die Umgebung nicht einschätzen, denn er kennt alle Strecken, die wir sonst fahren und auch alle Straßenmarkierungen, ob Sie es glauben oder nicht. Weichen wir nur kurz ab von der gewohnten Strecke, reagiert er irritiert.

Wir waren ungefähr bei Baden, als er jämmerlich zu fiepen begann. Er weberte unruhig auf seiner ausgebauten gemütlichen Rücksitzbank hin und her, schaute immer wieder aus dem Fenster. Nein, er musste weder auf die Toilette noch war ihm übel oder sonst was.

Ich kenne meinen Hund, wenn er Angst hat. Und er hatte definitiv Angst.

Er hatte Angst, wir würden mit ihm wieder ins Ungewisse fahren, ihn vielleicht wieder irgendwo abschieben, ihn alleine zurücklassen. Ich bin ganz sicher, dass er so etwas in der Art dachte.
Wir schauten uns kurz an und es war klar: Nächster Exit Wiener Neustadt runter von der Autobahn und retour nach Hause. Der Hund war vor fast sieben Jahren über diese Autobahnstrecke mit einem Bus zu uns transportiert worden. War es das Geräusch der Reifen, das bei einer schnellen Fahrt über die Autobahn anders klingt oder die vorbeiziehende Umgebung, wir werden es wohl nie wissen.

Fakt ist, dass wir in dem Moment, in dem wir beschlossen hatten wieder umzudrehen, einen völlig ausgewechselten Hund an Bord hatten.

Der Höllenhund legte sich augenblicklich hin, seufzte tief und schlief durch bis wir die Stadtgrenze erreicht hatten. Dort gab es natürlich für die Unbequemlichkeit, die er durch uns hatte, eine Belohnung beim Drive-In seiner Wahl.

Lachen Sie ruhig. Es macht mir nichts aus. Hauptsache, er ist glücklich. Er muss nirgends durch. Und ich kann Brot und Eier auch im Metro einkaufen.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

 

 

With a little help from Ikea

ikea tasche frakta
Höllenhunde sind meist hochsensibel; schon deshalb agieren sie nicht so verhaltensneutral wie andere Hunde. Tragen sie noch zusätzlich ein doppeltes Nordpol-Gen in sich, ist meist Schluss mit lustig, vor allem wenn es darum geht, wer den längeren Atmen hat.

Sie mögen es vielleicht nicht glauben und auf den ersten Hingucker sieht es auch nicht so aus, aber lassen Sie es mich in beschönigende Worte fassen: der Mensch ist es sicher nicht. Den längeren Atem hat immer der Hund. Immer. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint.

Der Mensch, der einen Nordpolhund seinen Freund nennt sollte von äußerst ausgeglichenem Gemüt sein und/oder möglichst immer eine Großpackung Baldrianhochdosistabletten zur Hand haben, für sich, wohlgemerkt, nicht für den Hund.
Manchmal braucht es auch nur eine Frakta-Tasche, aber dazu kommen wir später. Denn handelt es sich um einen eher nervösen Charakter wird das Ende ein eher unschönes sein. Für den nervösen Menschen, ebenfalls nicht für den Hund.

Schlittenhunde sind stur wie die Hölle.

Wollen sie etwas nicht (oder schon) können sie es aussitzen, nötigenfalls stundenlang. Im Fall meines reizenden Exemplars bin ich sicher, er käme mit der Aussitznummer locker ins Buch der Rekorde.

Wir gehen manchmal beispielsweise nicht mehr freiwillig ins Haus hinein. Weil es nämlich draußen sehr viel lustiger ist, vor allem, wenn es biestig schneit, möglichst sehr kalt ist oder der Nordwind weht. Nordpol!, denkt der Höllenhund und sein diabolisches Feuer entzündet sich so schnell wie ein Anzündholz im Schwedenofen, vor dem ich bei Eskimowetter gerne sitzen würde.

Wir haben so einen Schwedenofen. Wir brauchen aber kein Holz mehr zu kaufen, denn seit das Hündchen bei uns eingezogen ist wohnen wir lieber im kalten Haus. Ungeheizte Räume, damit es sich wohl fühlt, das Tier. Das Hündchen wäre trotzdem lieber draußen im Garten und zwar Tag und Nacht. Also nicht dass der Hund krank wäre oder je traumatische Erlebnisse im Haus hatte. Ich kann das beim Leben meiner Eltern beschwören, hatte er nicht.

Er ist leider klug.

Manchmal zu klug, denn er weiß ganz genau, wie er einen Spaziergang möglichst lang ausdehnen kann. Indem er seine besten Waffen gegen mich einsetzt, nämlich seinen Dackelblick und seine 33 Kilo Lebendmasse, die sich dann einfach konsequent dagegen sträuben, dort hinzugehen, wo ich will, kriegt er alles was er will. Er bleibt einfach plötzlich stehen. Ich kenne diesen Blick. Gehe ich dann in die Richtung, in die er auch gehen möchte ist alles fein. Manierlich und ohne an der Leine zu zerren schreiten wir elegant voran. Gebe ich allerdings nicht nach, setzt er sich einfach hin. Ich könnte dann an seinem Brustgeschirr zerren, am Halsband ziehen, ich könnte ihn schubsen, locken, schieben, mit frischem Ochsenziemer oder Schinken vor seiner Nase wackeln; ich könnte Quietschenten vor ihm fallen lassen, Bälle rollen oder sogar einen Hamburger vor seinen Schlund drapieren: Nichts geht mehr! Selbst wenn ich heftiger anziehe (so, dass er sich garantiert weh tut, weil er dann schreit, da ihm ohnehin die Knochen wehtun) bleibt er stur.

Bis ich nachgebe. Denn wer fügt schon gerne seinem geliebten Hund Schmerzen zu. Ich jedenfalls nicht. Dann gehen wir halt dahin, wo er will, solange wie er will und mir wird kalt und immer kälter und ich werde alt und immer älter während er aufblüht, draußen im Freien, während ich ihn verwünsche und langsam verfalle. Jedenfalls kommt es mir manchmal so vor.

Die Königsdisziplin dieses lustigen Spiels ist das Heimkommen.

Er weiß, dann muss er wieder in verhasste Haus, weil es ihn draußen im Garten nämlich im Winter zuschneien würde und ganz ehrlich, wer will das mit ansehen?
Darum bleibt er an schlechten Tagen einfach fünf Schritte vor der Haustüre stehen, wie einbetoniert. Und da es sich leider nicht um ein Minihündchen handelt, welches man praktischerweise einfach hochhebt und nach Hause trägt, kommt man ins Schwitzen.

Zuerst wird man zornig. Fehler, großer Fehler!

Leicht erzürnbare Personen sollten sich niemals einen Nordischen halten, ich rate dringend davon ab! Nur pure Buddhisten oder Yedimeister sollten diese Rasse wählen, möglichst irgendwo in Alaska. Oder Menschen, die mindestens immer einen Plan B oder C bei der Hand haben und zusätzlich sehr viel Zeit. Ich gehöre zur zweiten Sorte Mensch. Wenn ich keinen Ausweg mehr sehe werde ich sehr schnell sehr schlecht gelaunt. Dann borstet der Hund noch mehr wider und setzt sich nicht fünf Schritte vor der Haustüre, sondern womöglich schon am Parkplatz nieder, um augenblicklich zur Sphinx zu erstarren. In ganz üblen Fällen wo mir schon die Augäpfel aus dem Gesicht quellen während ich freundlich säusle „Komm, Herzerl!“, steigt er gar nicht erst aus dem geliebten Auto aus sondern bleibt gleich dort sitzen.

Plan B!

Ich sage nur: Haben Sie in so einem Fall immer Plan B bei der Hand, egal wie der auch aussieht. Alles geht, was gewaltfrei ist.
Bei uns war es das Einkaufsparadies für Familien welches die zündende Idee gab. Ich danke hiermit hochoffiziell dem Erfinder der ewig haltbaren, unzerstörbaren, robusten Ikea-Frakta-Tasche. Denn ich grübelte und grübelte was ich gegen demenzhafte Sturheit des Hundes machen könnte, um das innig geliebte, geschätzte Haustier, das manchmal eher an einen Zombie oder den re-inkarnierten Dexter erinnert, ins Haus zu bekommen.

Tata!

Zu Ikea gebraust, eine 4 Euro Plastiktasche erstanden, in diese vier Löcher geschnitten und drei Riemen angenäht und das Problem war gelöst. Vielleicht nicht so elegant wie mit dem 300 Euro Tragegurt-Geschirr für Polizeihunde aber dafür genauso hilfreich. Den überraschten sturen Hund dezent und fröhlich probeweise indoor in diese Tragehilfe verfrachtet und kurz auf Reißfestigkeit und Toleranz des Insassen getestet, dann belohnt und wieder ausgepackt und fertig war Plan B.

Als er es wieder vor der Haustüre aussitzen wollte, holte ich flugs die Tasche und dann hob ich das Höllentier in der Tasche an drei Riemen hoch, seine vier aus den Löchern herausschauenden Füsslein konnten freiwillig mittrippeln oder es bleiben lassen.

Schon ging es sekundenschnell ab nach Hause.

Wo man mich kurz empört mit Verachtung strafte. Damit kann ich aber leben, denn drinnen ist es zwar nicht wohlig warm, aber ich habe wenigstens Tee und Kuchen. Und einen Hund, der unverletzt in Sicherheit gebracht werden kann, dank dieser Self-Made Tasche.

Dies ist bitte keine Tierquälerei, denn der Hund verbringt keine drei Minuten in der Tasche und ich zippe sie ja auch nicht zu. Vorne schaut der Kopf heraus, hinten der Schwanz. Er wird darin nur sicher dorthin befördert, wo man ihn haben will, ohne ihn zu stressen und ohne ihm weh zu tun. Kann auch ganz hilfreich sein, falls er mal verletzt irgendwo liegt, denn heben Sie einen 33 Kilo schweren Vierbeiner alleine auf. Das ist so gut wie unmöglich. Mit Hilfe dieser Tasche kann aber auch eine zarte Frauensperson auf kurzer Strecke einen schweren Hund problemlos transportieren.

Der Hund, im Haus angekommen, zeigt keinerlei Abwehrreaktionen, er steht brav da und lässt sich wie ein Lamm in die Tasche verpacken und auch wieder aus ihr herausschälen, während ich ihn lobe. (Was ihm auch egal ist.)

Nur die Nachbarn, vor deren Küchenfenster ich mit dem Taschenwolf vorbei muss, sehen mich seither befremdlich an. Gesagt haben sie aber nichts, genauso wenig wie der Höllenhund. Der allerdings deshalb, weil er ganz sicher weiß, dass ich wirklich die allerletzte Instanz bin, die ihm immer die Stange hält, trotz all seinen Marotten.

Jeder andere hätte schon längst das Handtuch geschmissen. Ich aber liebe wohl die Herausforderung, genauso wie ihn.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

Polarkälte

Sibirien!
Die letzten neun Tage waren so kalt in Österreichs Hauptstadt, dass einem die Worte noch im Mund gefroren. Über eine Woche minus 11 Grad, in Worten: elf!
Schlittenhundwetter!, dachte mein geliebter Hund, während ich versuchte, mich irgendwie krampfhaft positiv zu stimmen. Mental war meine Stimmung irgendwo zwischen Beginn der Eiszeit und dem Aussterben der Mammuts angesiedelt. Schnee in Kombination mit einem Höllenhund ist sozusagen worst case, ist Tschernobyl plus Fokushima, ist Trump und Millan zuhause bei Tee und Kuchen oder alles auf einmal.

In Wien wird gesalzen als wäre Schnee atomarer Niederschlag, den es zu bekämpfen gilt und zwar noch bevor die erste Flocke den Boden einer Straße berührt.

Salz!
Tonnenweise Salz, soweit das Auge blickt. Kaum dass der Wetterbericht Schnee ansagt und noch bevor dieser sachte niederrieselt, verlässt eine Kriegsflotte der Schneeräumung der Stadt Wien ihre sichere warme Garage und begibt sich auf Kriegspfad.

Salz, Salz, Salz!

Die Straßen und Gassen sind im Winter weiß, aber nicht vom Schnee, der gar keine Chance hat sich am nächsten Tag in matschiges braun zu verwandeln, sondern vom Salz.

Was das für Hundepfoten bedeutet ist schwer in Worte zu fassen. Diejenigen, die hochsensibel sind, leiden Höllenqualen. Meinem diabolischen Tier passen keine Hundeschuhe, die die Pfoten schützen würden. Ich habe sie alle durchprobiert. Die aus Gummi, die aus Plastik und auch die mit dem Sockenschuh. Sowohl die für Schlittenhunde als auch die hundsordinären rutschen von seinen Füsslein als wären sie mit Gleitgel überzogen. Mein Hund hat nicht nur zu kurze Beine, er hat auch irgendwie anatomisch völlig inkorrekte Endpfoten, was aber das Gesamtbild seiner  Höllenhundhaftigkeit perfekt abrundet.

Er ist kastriert, aber sexuell durchaus an läufigen Hündinnen interessiert, was jeden Spaziergang zusätzlich zu Schnee, Polarluft und Glatteis inklusive Salzüberdosis und seiner mangelnden Liebe zu nicht läufigen Artgenossen zu einer Herausforderung der Sonderklasse macht.

Neulich gingen wir über eine versalzene Straße irgendwo am Stadtrand. Der aufgetaute Schnee bildete eine kleine, aber tiefe Pfütze und wer meinen Hund kennt weiß, dass er die Richtung vorgibt und nicht ich, weil es sein Spaziergang ist und nicht meiner. Das gestaltet sich spannend, vor allem, wenn direkt am Pfützenrand eine läufige Hündin ihre Markierung gesetzt hat. Er stand also mit den Hinterbeinen eine Schnüffelllänge in der Salzlacke. Dann machte er plötzlich einen erschrockenen Schritt vorwärts- und fiel krampfend und schreiend auf die Seite. Das Salz tat so weh! Ich raffte mit fast überirdischer Kraft und einer hohen Dosis Adrenalin den Hund hoch und trug ihn ins (gottlob in der Nähe) geparkte Auto, wo ich mit Wasser die schmerzenden Pfoten sofort spülen konnte.

Salz, Salz, Salz! Überall!
Aber nicht nur die Schmerzen in den Pfotenballen sondern auch Durchfälle und Nierenschäden entstehen durch das Streusalz. Es wird ja auch durch die Haut resorbiert und von Pfoten und Fell abgeleckt.

Und als ob das nicht reicht, ruiniert das giftige Zeug jegliche Botanik. Schauen Sie mal im Winter den Rasen an Wiens Straßenrändern an. Totes schwarzes Gras, soweit das Auge blicken kann. Salzoasen, überzuckert mit Schotter, um den Feinstaubgehalt der Luft zu belasten. Nicht der Diesel ist schuld, liebe Politiker, nicht die Autos! Es ist das Salz, das Bäume, Sträucher, Hundepfoten, Schuhe und Autos demoliert, und nicht nur Hunde vergiftet, sondern auch Katzenpfoten, sowie natürlich Vögel und Füchse, die das Zeug dann saufen und Pferdehufe sowieso.

Darum hasse ich den Schnee; ich betrachte den Winter in der Stadt als meinen ganz persönlichen Feind. Dazu kommt die Respektlosigkeit diverser Hundeführer, ihre meist unabrufbaren Hunde im Schnee ohne Leine rennen zu lassen und ich, mit meinem an der Leine, muss mich dann an Zäunen oder Autos festklammern um nicht hart aufzuschlagen im rutschigen Dreck, während ich geduldig drauf warten darf, dass „Meiner will nur spielen!“ nach gefühlten tausend Jahren eine Schnauzenlänge von uns entfernt abgeholt wird, bevor Blut fließt. Denn dank Salz sind die Straßen noch rutschiger als ohne.

Am liebsten würde ich einen Regentanz aufführen, damit der Salzmatsch endlich weggespült wird. Damit ich endlich wieder das Haus verlassen kann ohne auszurutschen, wenn der kleine graue Teufel am anderen Ende der Leine Gas gibt, ohne meinen vor Schmerzen schreienden Hund zu tragen, ohne mich von Zaun zu Baum zu hangeln.

Bitte Frühling, lass dein blaues Band wieder flattern, gerne auch in einer anderen Farbe, aber mach hin, bevor ich hier noch körperlich und mental erfriere oder zur Salzsäule erstarre.

Danke.

Herzlichst, Bela Wolf

salz.jpg

Starallüren

 

hollywood.jpg
Richtige Stars haben richtige Extrawünsche. Mariah, (die mit dem Extra-h!) steht auf Luftbefeuchter und rote Flauschteppiche; falls sie mal schmerzende Füße hat, läßt sie sich eben tragen. Prince liebte seine Sauerstoffbar und schwarzes Interieur. Was Justin Spiegel ober dem Hotelbett sind, sind den Rockstars von Janes’s Addiction (nein, ich kenne diese Gruppe auch nicht) frische Unterhosen, Backstage gelagert.
Was das mit meinem Höllenhund zu tun hat?

Er ist exzentrisch.
Nicht nur was seine Betten betrifft.

Auch beim Essen betont seine ungarische Fürstlichkeit die edle Abstammung aus dem dreckigen Einzelzwinger in der ungarischen Pampa, wo Hunde wie er täglich ums nackte Überleben kämpfen. Er damals auch. Aber dennoch hat sein offensichtlich rockstarmäßiges Geblüt dadurch keinerlei Schaden genommen; mein Hund ist wählerisch und schwer zufrieden zu stellen.

Vom Brot isst er nur das Scherzerl. Und bitte ohne Butter! Der Rest interessiert ihn nicht die Bohne. Herrli, kannste selber essen!

Die Kekse, auch nur eine ganz bestimmte Sorte, müssen in einer bestimmten Anordnung auf seinem eigenen kleinen Kekstisch liegen, damit sie genehm sind. In kleine, mundfeine Bissen von Hand gebrochen. Gegessen werden die aber immer nur nach dem Yoghurt oder vor dem Abendessen.

Das Yoghurt ist bitte immer in einer weißen, nicht zu hohen Porzellanschale (auf der untersten Stiege abgestellt), zu reichen!

Spucken kann er übrigens wie ein Lama; ist ein Bissen, den ich ihm reiche, zu groß, spuckt er ihn in hohem Bogen wieder aus. (Übrigens, Lama ist das neue Einhorn!)

Im Auto kommt das ganz besonders gut, da diese winzigen Häppchen geradezu magnetisch in die Ritze zwischen Hartplastik und Handbremse fallen und dort nie wieder herausgeholt werden können, weder mit dem Pinsel noch mit dem Gewerbestaubsauger. Auch unter den Sitzen verstecken sie sich unstaubsaugbar gerne.

Dennoch muss man dem Paprikahund zugutehalten: fangen kann er die Bissen, auch wenn man sie ihm zwei Meter weit entfernt zuwirft.
Ein echter Star eben!

Herzlichst,

Dr. Bela Wolf (der mit dem Höllenhund!)