10 Dinge, die Sie tun sollten, bevor Sie einen Hund adoptieren…

bela2Sie tragen sich mit dem Gedanken einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren, hatten aber noch nie einen Vierbeiner?
Dann lesen Sie bitte in Ruhe diese Worte durch und setzen sie tunlichst auch um. Denn erst, wenn Sie diesen Test bestanden haben, sind Sie bereit sich nach Ihrem neuen besten Freund umsehen.

Hunde machen jede Menge Freude, aber auch einen Berg Arbeit. Diese Arbeit wird sehr oft unterschätzt. Hunde machen genauso viel Arbeit wie kleine Kinder, da ist gar kein großer Unterschied! Außer, dass die Kinder irgendwann größer werden und ausziehen und der Hund solange er lebt auf Kleine-Kinder-machen-viel-Arbeit-Niveau stehen bleibt. Und zwar jeden Tag. Und auch jede Nacht.

Wenn Sie „Kommissar Rex“ geschaut haben und nun den brennenden Wunsch verspüren, einen Rex zu sich nach Hause zu holen, dann darf ich Ihnen versichern: Sie werden enttäuscht sein. Ein Second Hand Hund aus dem Tierheim wird alles Mögliche für Sie sein, sobald er einzieht: Fitnesstrainer, Bodyguard, Mülltrenner oder sogar Gartendekorateur, eines wird er aber mit ziemlicher Sicherheit nicht sein: Der, den Sie im Fernsehen gesehen haben.
Wie Sie sich gründlich darauf vorbereiten können auf das, was möglicherweise auf Sie zukommt, erfahren Sie nun.
Führen Sie ein Jahr lang die nachfolgenden Übungen 1-10 konsequent durch. Krankheit oder schlechte Laune sind keine Ausrede, keine Zeit lasse ich nicht gelten!

1, Gehen Sie bei jedem Wetter aus dem Haus und latschen Sie dabei dreimal täglich eine halbe Stunde bis Stunde planlos in der Gegend herum. Gehen Sie davon aus, dass Ihr neuer Hund schlimmstenfalls keine anderen Hunde mag. Manche Hunde mögen keine Hündinnen, manche keine Rüden. Üben Sie daher bei jedem Spaziergang eine Situation, die mit Sicherheit auf Sie zukommen wird, nämlich alle Leute, die Ihnen mit Hund entgegenkommen, schon von der Ferne zu orten und Ihnen von weiter weg die Frage zuzurufen, welches Geschlecht ihr Hund hat.

Scheuen Sie sich nicht, ausgiebig Kontakt zu anderen Hundehaltern zu suchen!
Bei jeder zweiten Begegnung mit einem fremden Hund üben Sie die Situation, dass Ihr neuer Hund weder Rüden noch Hündinnen mag, gleich mit. Das kommt öfter vor als Sie denken. In dem Fall ersuchen Sie die anderen, fremden Hundehalter höflich, Ihnen doch bitte in großem Bogen auszuweichen und ihren Hund anzuleinen. Sie werden draufkommen, dass allein diese alltägliche Situation alles andere als eine Quelle der Entspannung und der Inspiration ist (außer Sie möchten darüber Bücher schreiben wie ich!) und ganz nebenbei werden Sie auch noch mit menschlichen Abgründen konfrontiert, die Sie nie zuvor gesehen, gehört oder auch nur geahnt hätten!
(Sollte zufällig eine Katze Ihren Weg kreuzen, rennen Sie so schnell wie möglich hinter ihr her.)

2, Bei Ihren täglichen Übungsspaziergängen ersuchen Sie alle Hundehalter mit freilaufendem Hund ihren Hund sofort!!! anzuleinen. Sie werden sehen, Punkt 1 ist in Sachen Wortschatzerweiterung unschlagbar. Sie werden ab sofort ein Schimpfwörtervokabular Ihr Eigen nennen, das Edmund Sackbauer erblassen lässt. Wenn die von Ihnen aufgeforderten fremden Hundehalter dennoch mit ihren unangeleinten Hunden direkt auf Sie zusteuern, bleiben Sie kurz stehen und stellen sich vor, was in diesem Fall geschehen könnte, wenn Ihr zukünftiger neuer Hund dabei wäre, der andere Hunde leider nicht leiden kann.

Es würde sehr laut werden und es könnte Blut fließen. (Ihres, das Ihres Hundes und/oder auch fremdes…) Es wird auf jeden Fall immer aufregend sein, sobald Sie mit Ihrem Hund das Haus verlassen und das wird bestenfalls zehn bis vierzehn Jahre lang so weitergehen. Tag für Tag. Nacht für Nacht.

Vielleicht mag oder kann Ihr Neuer nicht alleine bleiben, spielen Sie das Szenario daher ebenfalls gründlich durch. Ein Jahr lang gilt nun für Sie: Wann auch immer Sie aus dem Haus gehen möchten (Einkaufen, Arztbesuch, Müll raustragen…) , planen Sie das vorher mit einem guten Freund, der Hunde mag, einer Hundesitterin oder einem Familienmitglied in den Tag ein. Diese Person kommt ab sofort zu Ihnen bevor Sie das Haus wofür auch immer verlassen können und wartet, bis Sie wieder zurück sind. (Tipp: Buchen Sie vorher rechtzeitig einen Psychologen und einen Yoga Kurs!)

Bevor ich es vergesse: Machen Sie täglich Lärm, um eventuelle Nachbarn auf Geheul oder Gebell vorzubereiten falls Sie mal keinen Hundesitter finden. Streichen Sie Urlaube, Kinobesuche, spontane Ausflüge und alle anderen Veranstaltungen aus Ihrem Leben.
Ihr neuer Hund könnte ein Entweichungskünstler sein oder Angst vor Feuerwerk haben und spätestens dann entweichen wollen, üben Sie auch das. Stellen Sie dazu einen Wecker auf irgendeine Uhrzeit, bei der Sie blitzartig alles liegen und fallen lassen müssen um so, wie Sie gerade sind (nasse Haare, nackte Füße, Bademantel, keine Kontaktlinsen etc.), aus dem Haus zu rennen und hinter einem beliebigen, sehr schnell vorbeifahrenden Auto herzulaufen und gleichzeitig laut einen Namen zu brüllen und zwar so lange, bis Sie das Auto mit der Hand berührt haben.

3, Schöne hohe Schuhe, gepflegte Kleidung und teure Handtäschchen können Sie getrost im Schrank verräumen, wegwerfen oder verschenken, denn sobald Ihr neuer Freund bei Ihnen einzieht, werden Sie täglich voller Hundehaare, Hundespucke, Hundesabber, Schnee, Salz, Futterkrümel, Erde oder Kot sein. Ihre Lieblingskleidungsfarbe wird immer die Farbe Ihres Hundes sein, denn da sieht man Hundehaare am wenigsten. Daher sollten Sie sich für ein einfärbiges Tier entscheiden, da zwei oder drei Farben von Hundehaaren weitaus schwieriger in der Farbauswahl von Hose, Mantel oder Rock zu managen sind.

Zu Übungszwecken gehen Sie in ein Frisörgeschäft und vereinbaren dort die wöchentliche Übernahme abgeschnittener Haare, welche Sie in einem Karton mitnehmen. Zuhause verteilen Sie täglich ein oder zwei Hände voll dieser Haare überall im Haus, zwanglos auf allen Teppichen, unter Schränken, im Bett, auf Ihrem Gewand und in Ihren Handtüchern. (Empfehlenswert ist die vorherige Anschaffung eines Industriestaubsaugers.)

Ihr Hund wird zweimal jährlich zusätzlich stärker als sonst Haare verlieren, außer Sie entscheiden sich für einen Schlittenhund. Schlittenhunde haaren ganzjährig, 365 Tage im Jahr immer gleich stark, tägliche gefühlte zwei Kilo. Allerdings müffeln sie dafür nicht nach Hund, was aber andere Hunde dazu animiert, sie als wilde Wölfe wahrzunehmen und Sie und Ihren Hund in äußerst unangenehme Hundediskussionen zu verwickeln, die meistens zu Ungunsten des Nicht-Schlittenhundes ausgehen, außer Sie treffen auf Pitbull, Kangal und Co, wo es unentschieden endet. Schließen Sie daher als Ersthundehalter alle Hunde mit Schlittenhundanteil von vornherein aus Ihrem Adoptionsschema aus. Glauben Sie mir, ich bin einer, der es wissen muss. Ich hatte einen Akita und habe aktuell eine Malamute-Husky-Schäferhund Mischling. (Salopp bedeutet das: Ich entscheide, ich gehe wohin ich will und ich verteidige dich gegen alles und jeden, aber kompakt in einem Tier vereint)

Warum Sie es besser lassen sollten, einen Höllenhund zu adoptieren, wenn Sie nicht Punkt 1-10 geschafft haben, lesen Sie hier nach. Erkundigen Sie sich rechtzeitig nach einer guten Rechtsschutzversicherung.

4, Als Nichthundehalter fahren Sie vielleicht ein gepflegtes Auto. Gehen Sie daher zu Ihrem Auto, verabschieden Sie sich in Würde oder machen Sie ein Abschiedsfoto. Dann nehmen Sie einen Kübel mit Erde und Wasser (falls vorhanden, geht auch dreckiger brauner Schneematsch vom Straßenrand) und verteilen Sie die Flüssigkeit mit der flachen Hand zügig über Autositze und Fensterscheiben. Nur zu, seien Sie nicht zu sparsam! Anschließend streuen Sie ein paar Haare darüber und fahren mit einem Eisenkamm, Rechen oder was Sie gerade an spitzen Gegenständen bei der Hand haben intensiv an der Polsterung und den Plastikverblendungen unter den Fenstern auf und ab. Zuletzt werfen Sie sich mit voller Kraft von innen gegen die Türen und die Fensterscheiben.

Hoppla, fast haben wir da was vergessen! Hier fehlt noch der Geruchstest! Dazu verwenden Sie Bergkäse, den Sie irgendwo im Auto deponieren und dort über Wochen liegen lassen. Um dieses Szenario zu beseitigen putzen Sie Ihr geliebtes Auto. Wiederholen Sie die Übung ein paar Wochen lang und Sie werden sehen, irgendwann hören Sie auf zu putzen und werfen einfach eine Decke über alles. Das stärkt das Ego! Ein teures Auto ist ohnehin nur ein Statussymbol, das keiner braucht. Tauschen Sie Ihres also rechtzeitig gegen einen alten SUV ein, dem solche Kleinigkeiten nichts ausmachen.

5. Sie lieben Teppichböden? Sie denken, die paar Hundehaare von Übung 3 kriegen Sie schon in den Griff? Sie haben die Rechnung ohne den Magen gemacht. Sie wissen es vielleicht nicht, aber ausnahmslos alle Hunde ziehen es vor, sich auf teuren Teppichen zu übergeben. (Hunde übergeben sich auch gerne auf frisch bezogenen Betten und neuen Sofas, aber das ist schon ein Thema für Fortgeschrittene.) Frisst ein Hund Gras, weil ihm übel ist, er zu viel Salzsäure im Magen hat, das Wetter wechselt oder aus uns völlig unbekannten Gründen, übergibt er sich eben. Gerne auch vor Publikum!

Das üben Sie nun, indem Sie ein paar Büschel Grashalme ausreißen, diese in einen Topf mit Wasser geben und satt Currypulver drüberstreuen. Gut umrühren. Kurz aufkochen lassen und dann die Hälfte davon rasch auf den besten weißen Hochflauschflor-Teppich im Haus leeren! Drei bis fünf Minuten abwarten, dann den Rest aufs Sofa schütten. Diese Übung wiederholen Sie mindestens einmal im Monat.
Bitte beachten Sie, dass Sie beim Putzen keine scharfen, ätzenden oder stark reizenden Putzmittel verwenden dürfen. Diese schädigen die Hundenase.

6. Diese Übung ist relativ lustig, da Sie im Sommer in jedem Raum mit Wasser gefüllte Schüsseln aufstellen dürfen, die Sie täglich mehrmals auswaschen und das Wasser wechseln. (Im Winter ist sie weniger lustig, da Sie sicher irgendwann nachts unausweichlich in eine dieser Schüsseln tappen werden und/oder das Wasser sich auf ihre Füße und/oder den ganzen Boden ergießt.) Ihr Hund trinkt mit der Zunge, also schütten Sie beim Hinstellen und Wechseln immer ordentlich Wasser auf Ihren Parkettboden und plantschen Sie dabei munter in den vollen Schüsseln herum. Spritzen Sie das Wasser unbekümmert auf Wände und Einrichtungsgegenstände, denn der Hund macht das ja auch.

Im Winter ziehen Sie NIEMALS Ihre dreckigen Stiefel aus, sondern trampeln Sie damit direkt nach dem Nachhause kommen überall im Haus herum. Springen Sie dabei ruhig unbekümmert aufs Sofa, ins Bett oder auf den Küchentisch! Nur Mut! Sie schaffen das! Verbrauchen Sie dabei alle Handtücher, Geschirrtücher und Küchenrollenvorräte. Übung macht den Meister. Wenn Sie damit fertig sind, leeren Sie den vollen Müllbeutel in einen Wohnraum Ihrer Wahl. Räumen Sie alles wieder weg. Schlimm? In Wirklichkeit ist es noch viel schlimmer. Ihr Hund wird Essbares und Nicht-Essbares aus dem Müllbeutel auffressen und übergibt sich dann auf den Teppich. (siehe Punkt 5)

7, Apropos Essen: Hunde leben nicht nur von der Liebe, sie essen auch gerne. Meistens essen sie nur das, was ihnen schmeckt, aber nicht bekommt. (Hunde würden Wurstsemmeln kaufen.) Kaufen Sie daher zu Übungszwecken ein paar tote Hühner und nehmen Sie diese aus. Kochen Sie täglich rohes Fleisch und Kutteln, um sich an den Geruch und die Arbeit zu gewöhnen.

8, Auch Hunde werden krank und Tierärzte sind nicht billig. Legen Sie daher mindestens zweihundert bis dreihundert Euro pro Monat für mögliche Tierarztkosten und mindestens hundert bis zweihundert Euro für Futter, Spielzeug, schicke Leinen und Naschereien beiseite.

Ihre Übung besteht nun darin, den Wecker auf drei Uhr morgens zu stellen, beim Läuten sofort aus dem Bett zu springen und so wie Sie sind aus dem Haus in den Garten zu rennen. Wo Sie dann mindestens zehn Minuten lang stehen bleiben, laut einen beliebigen Namen schreien und warten. Dann trampeln Sie mit ihren dreckigen Füssen auf allen Böden herum und stellen den Wecker auf zehn Minuten später. Diese Übung ist einmal pro Monat bis zum Morgengrauen zu wiederholen. Durchfall oder Blasenentzündung kann auch beim Vierbeiner hartnäckig sein!

9, Sollten Sie sich einen großen bis sehr großen Hund wünschen und keine Ahnung von Hunden haben, ist folgende Übung geradezu essentiell: Kaufen Sie einen fünfzig Kilo schweren Zementsack im Baumarkt und stecken Sie ihn in einen Kissenbezug. Anschließend heben Sie den bezogenen Sack täglich mehrmals ins Auto und wieder heraus. Vielleicht hat Ihr Hund keine Lust oder kann nicht hoch springen, dann müssen Sie ihn aus dem Auto heben. Manchmal hat er auch keinen Bock auf der Straße weiterzugehen.

Das üben Sie am besten auf einer Hundewiese, die möglichst gut besucht ist. Stellen Sie sich mit Ihrem Zementsack mittig auf der Wiese auf, binden Sie einen Strick um den Sack und ziehen Sie den Sack bis zum Auto zurück, während Sie laut „Jetzt komm endlich! Wir gehend da lang!“ rufen. Wenn Sie verschwitzt zuhause angekommen sind, gehen Sie sofort online und in eine Hundegruppe, wo Sie Ihr Problem schildern und dabei auch Worte wie Dominanz, Millan, Vegan, Alphawolf, Barfen oder Impfen einstreuen. (Tipp: Richten Sie vorher ausreichend Chips und Bier her!)

10. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: Hundekacke muss auf der Straße (und auch im eigenen Garten) entsorgt werden, dazu schuf die Stadt Wien als Anreiz Plastiksackerlautomaten für Hundeexkremente mit wunderbar unlustigen Sprüchen drauf wie „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl!“ und als Strafe 80 Euro, falls Sie doch keines nehmen möchten.

Ihre letzte Übung besteht nun darin, dreimal täglich ein öffentliches WC aufzusuchen, (Zuhause geht natürlich auch, nur wer hat schon so einen frequenten Stuhlgang), dort die Kacke fremder Leute mit einer Hand, die in besagtem Plastiksackerl fürs Gackerl steckt, abzukratzen und mit sich herumzutragen, und zwar so lange, bis Sie einen Mülleimer finden. Alternativ klauben Sie einfach Würstel und Haufen fremder Hunde in Parkanlagen auf und tragen Sie durch die Gegend. Ja, auch im Hochsommer!

Haben Sie ein Jahr lang alle zehn Dinge problemlos gemeistert, sind Sie eventuell darauf vorbereitet, wie Ihr neues Leben aussehen wird.
Wollen Sie das wirklich? Ganz sicher? Sind Sie immer noch fest entschlossen, einem fremden Hund ein neues Zuhause zu geben und Ihr eigenes Leben völlig auf den Kopf zu stellen? Auf viele Dinge zu verzichten, oft zurückzustecken, Zeit und Geld zu investieren, Freunde zu verlieren?

Da wäre noch eine Kleinigkeit, die ich Ihnen dringend sagen muss! Ich konnte Sie zwar darauf vorbereiten, was passiert, wenn der neue Freund einzieht.
Nicht vorbereiten kann ich Sie aber auf diese Lawine der bedingungslosen Liebe, die Sie überrollen wird, wenn Ihr Hund Sie ins Herz geschlossen hat. Und das war dann Punkt 1-10 wert.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Werbeanzeigen

Eine kleine Geschichte über Schutzengelhunde und das Leben nach dem Tod…

Das Haus so still und leer und im Herzen ein riesiges Loch: Der geliebte Hund ist nicht mehr da, er ist verstorben.
Diese kleine Geschichte über Schutzengelhunde und das Leben hinter dem Horizont wurde zur Trauerbegleitung nach dem Verlust eines geliebten Hundes geschrieben.
Die Lektüre will als eine Art Trauertagebuch ein klein wenig zur Trauerarbeit beitragen. Denn hinterm Horizont geht’s weiter! Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Auf Amazon gratis Probelesen…

cover horizont

Hunde würden Wurstsemmeln kaufen

Hunde_würden_Wurstsemmeln_kaufen

Der Weg zur Gesundheit führt bekanntlich durch die Küche, nicht durch die Apotheke.
Wenig verwunderlich, dass unsere Hunde heute alle an Allergien, Atopien, chronischem Juckreiz, unerklärlichem Durchfall oder Ekzemen leiden.
Sie werden einfach falsch gefüttert!

Hundehalter haben meistens keine Ahnung, was ihre Vierbeiner fressen sollten um gesund und munter zu bleiben und möglichst alt zu werden.

Sie gehen in eine der vielen Mampfnapf-Filialen, lassen sich dort von einer Verkäuferin einen Bären aufbinden und kaufen letztendlich Fertigfutter ein. (Sie kaufen leider auch Nasenhaltis, Kettenhalsbänder und Bücher über Millan, aber das ist wieder eine andere, mindestens genauso schlimme Geschichte…).

Schlimm genug ist die von den giftigen Kauknochen, dem krankmachenden Trockenfutter und den Hundefutterdosen ohne Nährwert aber auch so. Noch schlimmer ist es, wenn Hunde gebarft werden. Knochen verursachen tödlichen Darmverschluss, giftige Kräuter schädigen Leber und Nieren und Nüsse können sogar Epilepsie auslösen.

Hätten Sie das gewusst?

Was aber frisst nun der Hund?

Alles über die richtige Ernährung Ihres Vierbeiners, warum man den Darm nicht entgiften kann und wie Kacken geht erfahren Sie in meinem neuen Buch, welches ich Ihnen nun mit großer Freude vorstellen darf. Viele Hunde vor Krankheit und Tod durch falsches Hundefutter zu bewahren war das Ziel dieser hoffentlich spannenden und lehrreichen Lektüre.

Ihnen alles Liebe und viel Spaß beim Lesen wünscht herzlichst Ihr
Bela Wolf

BUCH GRATIS PROBELESEN

Buch kaufen auf Amazon

„Zen oder die Kunst, einen Höllenhund zu zähmen“: Das neue Buch von Dr. Bela Wolf ist da!

Coverbild Zen

Sie haben einen schwierigen Hund, einen, der bei jeder Gelegenheit wütend in die Leine springt, der in Angst und Panik verfällt, sobald Sie mit ihm das Haus verlassen, der andere Hunde zum Fressen gerne hat und der sich möglichst kraftvoll in jedes fahrende oder stehende Auto verbeißen möchte, sobald es seinen Weg kreuzt?

Einen, der Besuche im eigenen Haus unmöglich macht, der niemals mit Leckerli bestechlich oder ablenkbar ist und der jeden wachsenden Grashalm zu seinem ganz persönlichen Feind erklärt?

Einen Höllenhund also, den Sie manchmal am liebsten zum Mond schießen möchten?
Dann haben Sie genau das richtige Buch gefunden.
Eines, das Ihnen weiterhelfen kann.

Es handelt sich bei meinem neuen Buch um keinen Ratgeber. Sie bekommen keine Tipps, keine Erziehungsmethoden und auch keine Anleitungen, denn jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, hat seine eigene Geschichte und seine speziellen Macken.

Wie aber kann Ihnen dann dieses Buch helfen, werden Sie sich nun fragen.

Ich durchschritt mit meinem Höllenhund ein Jammertal. Ich kenne jede winkelige Einbahnstraße, jeden Rückschritt, jedes erfundene Argument jeden Trainers, Heilers, Mediators und Flüsterers. Wir hatten das alles durch und fast hätte ich das Handtuch geworfen.

Dann aber entdeckte ich die einzige Antwort auf die Frage, wie man einen diabolischen Höllenhund zähmen kann. Die Antwort ist naheliegend, kostenlos und kinderleicht- aber nur, wenn man auch die richtige Frage stellt!

Jeder kann das Wunder vollbringen!

Und es grenzt oft an ein Wunder, wenn plötzlich aus einem tobenden Tier, das ängstlich, aggressiv und verzweifelt durchs Leben spaziert, ein handzahmer kleiner Schatz wird, ganz ohne Gewalt, ganz ohne Bestechung oder Belohnung, ganz ohne Training und ganz ohne Flüsterei.

Wie das geht? Lesen Sie selbst!

Alles Liebe, Dr. Bela Wolf, der mit dem Höllenhund

Buch kaufen auf Amazon

Probelesen beim Verlag

 

„Zen oder die Kunst, einen Höllenhund zu zähmen“: Das neue Buch von Tierarzt Bela Wolf ist demnächst erhältlich!

covervorschau zen_Page_1.png

Ich darf Ihnen heute mit großer Freude  mein Ende Mai im Buchhandel erscheinendes Buch vorstellen.

Was steht in diesem Buch?

Nennen wir es vielleicht einen Ratgeber dafür, wie Sie Ratgeber am besten vermeiden. Es ist ein Buch gegen Flüstertipps, ausschließlich geschrieben für Hundeliebhaber mit Herz und Empathie.

Das Buch soll ein wenig Erleuchtung bringen in den tristen Alltag der unzähligen fanatischen Hundegruppenanhänger, der dubiosen Erziehungstipps, der blinden Fanatiker und der Menschen, die sogenannte „schwierige“ oder nicht allltagstaugliche Hunde zum Freund haben.

Es soll zum Entschleunigen anspornen, zum Nachdenken anregen und auch zum Bessermachen. Es soll Hunden genau wie ihren Menschen helfen, glücklich zu sein und die aktuelle Lebenssituation zu akzeptieren, ganz egal wie problematisch sie auch im Moment erscheinen mag.

Es soll helfen, an das Gute im Hund zu glauben, auf seine Liebe und Klugheit zu vertrauen sowie Hundehaltung auf das menschliche Bauchgefühl und auf Intuition aufzubauen, nicht auf Training und Befehle.

Was steht nicht in diesem Buch?

Sie finden darin keine Abrichtemethoden, keine dubiosen Heilertipps und auch keine Ratschläge zum Erlernen von Kommandos. Es ist ganz sicher kein Buch für Anhänger brutaler Erziehungsmethoden.

Es ist die wahre Geschichte von einem schwierigen Hund, der zum richtigen Zeitpunkt beim falschen Menschen landete. Um diesen Menschen zum richtigen zu machen, sein Leben nachhaltig zu erschweren, unendlich zu erleichtern, völlig umzukrempeln und letztendlich zum Guten zu wenden.

Wobei auch augenzwinkernd die Sternzeichen mit eine Rolle spielten…
Aber lesen Sie in Kürze selbst, wenn Sie mögen!

Bis bald, herzlichst

Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

 

 

Der Wasseranimateur

wasser
Vielleicht denken Sie nun, mein Hund planscht gerne im Wasser herum oder ist einer, der jede Schwimmgelegenheit nutzt und sei es auch nur eine kurze erfrischende Schlammpackung in einer möglichst tiefen Pfütze.

Weit gefehlt.

Der Hund hasst Wasser, sobald es vom Himmel fällt und auch, wenn es aus dem Gartenschlauch kommt, ist er eine Wolke, die sich schleunigst in Sicherheit bringt. Ins Trockene, sofort! Wasser ist nicht sein Element und ehrlich, meins ist es auch nicht.

Seit aber vorige Woche bei dem Höllenhund Gries in der Harnblase festgestellt wurde in Form widerlicher unbeeinflussbarer Calciumoxalatkristalle, brennt der Hut.

Was brennt muss gelöscht werden.

Mein Hund gehört zum Glück zu der Sorte der Vieltrinker. Was einen enormen Vorteil bedeutet im Fall dieser Diagnose. Denn aus Kristallen wird Gries, aus Gries werden Steine und aus Steinen ein Notfall, der flugs eine Operation benötigt, weil wenn so ein Stein die harnableitenden Wege verstopft ist der Hund schneller im Jenseits als man schauen kann ob er noch lebt.

Das will natürlich keiner.

Um das abzuwenden muss ab sofort auf den richtigen Ph-Wert des Hundeharns geachtet werde, er darf daher bestimmt Dinge, die er gerne frisst, nicht mehr essen. Was bei dieser Sorte Hund, die ohnehin schon schlecht frisst, eine riesige Herausforderung darstellt.
Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass der Vierbeiner viel trinkt.

Und nun komme ich ins Spiel. Ich bin der Wasseranimateur. Ich habe dem Hund schon seit dem ersten Tag bei uns angewöhnt, nach jedem Spaziergang, nach jedem Spiel, nach jeder Autofahrt zu trinken. Dies geht hervorragend indem man sofort nach dem Einsteigen ins Auto dem Lieblingstier seine gewohnte Schale voll mit frischem Wasser unter die Nase hält. Leitungswasser, welches man in Plastikflaschen mitführt.

Dann regt man den Hund an und animiert ihn durch Wasserspiele mit einem Finger, der lustig in der Schüssel plantscht, wobei ganz sicher alle Personen im Auto geduscht werden, zu trinken.

Feines Trinki!, sagt man dann und zeigt sich zufrieden, hocherfreut und megastolz auf den herumsauenden sabbernden Vierbeiner.

Mein Hund trinkt unterwegs gerne aus einer hellblauen Keramikschale, immer in zwei Etappen.

Trinken, schauen, nachfüllen, trinken, schauen, spucken.

Dabei steht er auf seiner ausgebauten Rücksitzbank und hält den Kopf ein wenig zwischen die Vordersitzen, denn so kann man auch beim Trinken die Gegend ganz genau im Auge behalten, auch während man trinkt. Könnte doch einer daherkommen, den er dabei übersieht, nur wegen der Wasserschlemperei! Also, Augen aufreissen und saufen!

Nach jedem Keksi, nach jeder Buttersemmel wird der Hund zum Trinken animiert. Sein Joghurt wird auch stark verwässert, was ihn nicht stört, solange es nach Joghurt schmeckt.

So geht das! Man hält sich als tierischer Patient einen hauseigenen Wassercoach, der einen zum Vieltrinken in allen möglichen und unmögliche Lagen auffordert. Klappt ganz gut, denn die Nierenwerte vom Höllenhund freuen sich darüber. Und wir haben auch immer feuchte Luft im Auto, was die Gesichtshaut der Dame des Hauses erfrischt und hydriert, während ihr im Winter oft die Gesichtszüge kurzfristig entgleisen, weil das Wasser vom Hundi spontan an der Autoscheibe anfriert und Schneeflockenmuster bildet oder herzige Flecken auf der frischen Bluse macht.

Aber wie sagte sie neulich doch so passend zu mir: „Er kann machen was er will, Hauptsache er ist gsund.“.
Recht sie hat!

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

I love my dog, but…

gack sack
Es ist jetzt modern- und man will ja mit der Zeit gehen!- sich vor Publikum auf You Tube oder egal welchen Sozialen Netzwerken auch immer so in Szene zu setzen, dass man als prominenter Mensch (egal ob A, B oder C-Promi) menschlicher wirkt.

Soll heißen, man breitet freiwillig sein gesamtes Leben auf einem öffentlichen roten Teppich aus und zeigt sich verletzlich, man schwelgt in seinen Fehlern oder posiert als Humanoide, dem auch mal was schieflaufen darf. Oder so.

Frei interpretiert heißt das eigentlich, man nimmt den Paparazzi den Job weg. Ich habe mich jetzt nicht wirklich hineingekniet in die Materie, aber ich las darüber, dass es Hollywoods neueste Masche ist, so zu tun als ob.

Ich habe es da besser.

Ich bin nicht prominent, der einzige Mensch, der mich auf der Straße wiedererkennt, ist höchstwahrscheinlich der Gärtner, mit dem ich mich neulich gefetzt hatte. Natürlich wegen meinem Hund. Der bösen Durchfall hatte, wegen dem ewigen leidigen Salz, das auch vier Wochen nach der Ein-Zentimeter-Schnee-Attacke auf Wien noch in drei Zentimeter hohen Schichten auf allen Straßen herumlag, unwegkehrbar, hoch giftig und natürlich war auch kein Tropfen Regen in Sicht, wenn man ihn mal braucht.

Es handelte sich um diese Sorte Durchfall, wo die Hand des Menschen nicht mal mehr rechtzeitig in die Kottüte fahren kann, selbst wenn sie geübt ist.
Hinten aus dem geliebten Hund schießt es heraus und dann ist Schluß mit lustig! Gack-Sack-Pack oder wie man den Spaß sonst noch zackig nennt hat keine Chance gegen die Natur, die von sich geben will, was raus muss.

Ich bückte mich also gerade auf einem kargen Wiesenstück gegenüber des reichen Gärtners Haus, um hinter dem Hinterteil meines geliebten Tieres jede Menge flüssiges Hunde-AA einzutüten. Eigentlich ist es eine Villa, denn er ist auch Friedhofsgärtner und wie wir alle wissen, zahlen die Hinterbliebenen gerne und gut für sinnlose hässliche überteuerte Kränze, die ohnehin keiner mehr braucht, schon gar nicht der Verblichene. Eine Unsitte, die wirklich abgeschafft gehört, wenn Sie mich fragen.

Der Hund pfiff also los und ich kam kaum hinterher mit Wegräumen und dann quoll das Säckchen fast über und wenn Sie je das zweifelhafte Vergnügen hatten, hochgradigen Hundedünnpiff einzusammeln und das hinter einem Hund, der ständig zwei Schritte macht und dann wieder und wieder etwas aus seinem Hinterteil fallen lässt- naja, ich denke, Sie wissen, was ich meine. Es ist nicht lustig.

Irgendwann geht es dann nämlich wirklich über, das Säckchen. Man hat sonst zehn davon in den Taschen, in solchen Momenten ist aber garantiert nur eines da. Und Ihre Hand ist voll, in der anderen verkrampfen sich die klammen Finger um die Leine. Just in dem Moment, wo ich drauf geschissen habe die flüssige Scheisse von der dreckigen Wiese zu kratzen weil sie mir bereits quer über das Handgelenk rann und auch aus dem übervollen Sack, kam der Gärtner mit dem Grabbukett aus seiner Villa.

Er warf den Kranz in seinen Kübelwagen und stapfte zornig über die Gasse Richtung Wiese, seiner Wiese, wie er wohl annahm, obwohl es eine öffentliche Wiese ist, dreckig und zugemüllt von menschlichem Unrat. Aber nun. Er kam auf mich zu und schrie mich an: „Du da nie wieder herkommen, wenn du nicht entsorgst Scheisse von Köter!“ und zückte sein Handy.

Ich, ohnehin zermürbt, verfroren und mit einer eingekoteten Hand nicht sonderlich gut gelaunt, blieb stehen. Ein Wort ergab das andere. Er schritt zu Tat und fotografierte mich und mein Auto, schrie herum, während ich mit dem übervollen Kackbeutel vor seinem Gesicht herumfuchtelte und so tat, als würde ich das Ding in seinen Lieferwagen werfen.
(Dabei wäre mir sein Gesicht das weitaus liebere Ziel gewesen.)

Der Höllenhund machte das, was man von einem Höllenhund am wenigsten erwartete: er tat gar nichts. Er stand nur stumm und kastriert herum und leckte irgendwo konzentriert an einem Grasfleck wo irgendwann eine läufige Hündin markiert hatte. Selbstgefällig und in sich ruhend ignorierte er unser Tourette- Geplärr und speichelte lüstern vor sich hin. So als ob ihn das nichts anginge: Pretend being top dog! So macht das der echte Alpha, er lässt die anderen toben und hält sich erst mal raus.

Ich riss dem Flegel das Handy aus den Pratzen, er riss es wieder an sich. Kurz überlegte ich ob ich dem reichen Sack den vollen Beutel wirklich ins Auto werfen sollte, dann hielt ich inne und griff meinerseits zum Mobiltelefon. Das klingt jetzt sehr elegant.
In Wahrheit wühlte ich übererregt mit der freien Kackhand in meinen Taschen herum weil man das Handy nie findet wenn man es wirklich braucht. Es war kein schöner Anblick.

Der Hund leckte weiter entspannt am Gras herum. Er, den sonst das Geräusch des heranwachsenden Grases wie angestochen toben lässt, war die Ruhe selbst.

Wir schrien herum. Fenster öffneten sich und schlossen sich wieder. Nachdem der Gärtner dort wohnte nahm ich mal an, dass sich niemand auf meine Seite stellen würde, schon wegen der guten Nachbarschaft nicht. Und so war es dann auch. Fenster schlossen sich und blieben zu. Wir stritten weiter.

„Bitte recht freundlich“ sagte ich, als ich endlich das elende Handy gefunden und auf ihn gerichtet hatte, während meine braune Hand den Kackbeutel umklammerte, die Leine hielt und auch den Gärtner festhielt, in Wort und Bild.

Da verschwand er plötzlich mit den Worten „Du dich lassen nie wieder hier blicken mit Hund!“, und brauste mit Lieferwagen und Kränzen davon.
Nun ja. Ich schritt zur Tat, neben seiner Gärtnervilla befindet sich auch seine Blumenhandlung. Rauschte hinein, stellte den Verkäufer zur Rede, ob er den Mann kennt, der mich aggressiv bedroht und fotografiert hatte. Der verneinte. Bis er das Foto sah und auch das Filmchen. „Oh!“, sagte er, und plötzlich erinnerte er sich dann doch wieder, „Das ist ja Papa!“.

Dass ich dort nicht mehr einkaufe, versteht sich wohl von selbst. Papa könne übrigens gar nicht mit Handy umgehen, meinte der Junior-Kranzwinder der Firma W. in 1130 Wien statt einer Entschuldigung.

Ich ging zum Auto wo kleiner Wolf bereits geduldig und handzahm ausharrte.
Sollten Sie mich also demnächst auf einem Foto Kotbeutelchen schwingend auf Social Media wiedererkennen, wissen Sie nun warum: Pretend being freundlich zu Hundehasser.

Nicht die leichteste Übung. Dennoch, ich habe sie absolviert. Denn es ist so: I love my dog, but…

Sie können nun gerne mitspielen! Es befreit und macht Spaß. Und für Kleiner Wolf mache ich mich immer wieder gerne zum Affen. Aber das wissen Sie ja sicher schon.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

Inselbegabung

Vielleicht kennen Sie den Begriff; er betrifft die manchmal außergewöhnliche Begabung an Autismus erkrankter Personen. Man denke nur an den großartigen Dustin Hoffman in Rain Man: Karten zählen im Casino, dafür Licht aus um Zehn! Solche besonderen Fähigkeiten machen autistische Menschen manchmal aus.
Nun nennt eine sehr liebe Facebook Freundin das zu ihr gehörende Exemplar von Höllenhund gerne autistisch und ganz ehrlich, ich kann das voll und ganz nachvollziehen.

Mit kleinen Einschränkungen vielleicht, da sich unsere von Autismus gekennzeichneten Tiere doch meist nur mit einer oder zwei, statt mit drei typischen Kennzeichen des typischen Autisten auszeichnen.

Das erste Merkmal bedeutet mehr oder weniger massive Probleme im sozialen Umgang mit anderen Hunden.
Das kann ich so einhundertprozentig bestätigen, jedenfalls bei meinem Exemplar.

Zweites kennzeichnendes Merkmal wären da die stark eingeschränkten Interessen mit stereotypen, sich ständig wiederholenden Verhaltensweisen.
Auch da stimme ich voll zu ohne weiter auszuholen.

Auffälligkeiten bei der Kommunikation sehe ich hingegen bei meinem Höllenhund nicht, er kommuniziert immer glasklar was er möchte. Und erst recht, was er nicht möchte.
(Das betrifft sowohl die sprachliche als auch die nicht-sprachliche Verständigung.)

Neulich habe ich seinetwegen eine Wette verloren.

Ich habe noch nie so gerne verloren, ich schwöre! Die Dame des Hauses, die mich gelegentlich zum Wetten nötigt (dies aus gutem Grund, denn ich verliere immer!) motivierte mich zu einer Kaffeewette. Ich ließ mich überreden, weil ich mir manchmal einbilde meinen Hund sehr gut zu kennen und sein Verhalten in sehr vielen Belangen zu durchschauen. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall; ich schlug ein und, Sie ahnen es sicher schon, ich verlor natürlich.

Es ging um nichts Besonderes.

Nur wieder mal darum, ob der reizende Hund nach einem Spaziergang bei Minusgraden (deren Tiefe oder Höhe, ganz nach Belieben, ich hier nicht mal mehr schreiben möchte) freiwillig ins Haus geht oder eben nicht. (Eben nicht heißt dann nochmal über versalzene Straßen zu stolpern, immer seiner Nase nach, den ganzen weiten Weg, den man eben mühsam zurückgelegt hat, nochmal zu laufen, denn wenn er halbswegs müde genug ist, der Hund, ist er hauskompatibler.)
Ich latschte also die Strecke hundsmüde und halb erfroren brav ab, umschiffte wie immer sämtliche Gefahrenquellen wie vorbeifahrende Lkw und plötzlich vorhandene diverse unangeleinte Artgenossen und wünschte mir nichts sehnlicher als Sommer und eine heisse Tasse Tee.

Ich schwor aber Stein und Bein, dass der gute Hund auch diesmal noch gerne eine kleine Zusatzrunde machen würde. Weil wenn es besonders widerlich schneit, stürmt oder es andere extreme wetterliche Unbillen draussen hat macht er besonders gerne lang hin.

Halt, hier nochmal extralang stehenbleiben und riechen.

Dabei vielleicht noch verkehrt rum in die Dornen kriechen und dann schnell da raus, während diese ins menschliche Antlitz schnalzen. Und nochmal drei Schritte retour, dort war eventuell noch die fesche Hündin, die grad läufig ist und Hund muss da auf jeden Fall noch dringend hin, obwohl kastriert.

Da noch rüber, hier noch gucken, während Herrchen schon die Nase abfriert. Na und? Juhu, es ist saukalt und ich bin‘s, ein Schlittenhund!

Dann den ersehnten Haufen möglichst weit im Gebüsch oder auf dem Baumstamm direkt vor dem Haus, wo der ungemütlichste Typ vom ganzen Bezirk wohnt, absetzen. Weil besagter Typ immer nur darauf wartet, dass er den Zweibeiner endlich mal erwischt, wenn der grad keine Kacktüte dabei hat.

Sowas spürt ein anständiger Höllenhund. Das ist seine Inselbegabung; er macht mich gerne lächerlich. 

Wer so dramatisch an fixen Gewohnheiten festhält, so richtig mit Akribie und Tücke, den kann man doch getrost benutzen, um eine Wette zu gewinnen? Oder?

Hundert Mal bockt der Hund, wenn‘s ums Heimgehen geht. Wenn aber die Wette gilt, geht er klarerweise sanft wie ein Lämmchen mit der Dame des Hauses nach Hause. Engelsgleich überschreitet er mit ihr zeitgleich und harmonisch die Türschwelle und geht unschuldig Wasser trinken.

Das ergibt dann auch Erklärungsbedarf bei den Wettbeteiligten. Funktioniert dieses Muster auch bei der nächsten Wette wieder? Weil ich nämlich sehr gerne bei arktischem Wetter jedes Mal fünf Euro zahle,  wenn der Hund dafür freundlicherweise zügig unser Haus betritt.

Und drei Mal dürfen Sie raten. Es klappt natürlich- nicht.
Hamkummst!

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

Hochsensibel: Segen und Fluch

avocado

Kennen Sie das?

Sie spüren, was Ihr Gegenüber braucht, weil Sie hochsensibel geboren wurden und Ihre Intuition und Empathie daher sehr viel stärker ausgeprägt ist als bei den meisten anderen Menschen.

Sie spüren auch, was Ihr Haustier von Ihnen braucht. Sie spüren es fast körperlich.
Alle unsensibel zur Welt gekommen Mitmenschen können leider gar nicht verstehen, was ich damit meine, es ist auch sehr schwer in Worte zu fassen, dieses Ahnen von Bedürfnissen.

Hochsensible Menschen sind großartige Freunde, geniale Partner und tolle Hundehalter, wenn sie sich nicht gerade in der Rückzugphase befinden. Leider bezahlen sie in all diesen Konstellationen einen sehr hohen Preis dafür. Denn in den meisten Fällen zahlen sie dabei drauf, körperlich wie auch emotional. (Manchmal auch finanziell.)

Weil sie sekundenschnell erfassen, was das Gegenüber gerade gerne hätte oder braucht, können sie genauso schnell darauf reagieren und diese Erwartungen erfüllen. Und genau das ist auch der Fluch: Wer immer gibt, wer immer versteht, wer immer den Wünschen anderer entgegenkommt, verausgabt sich und vergisst auf sich selbst. Auf seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse.

Das kann eine Weile lang gutgehen, vor allem, wenn man von Menschen umgeben ist, die diese Gabe nicht ausnutzen. Doch gerät man an den Nehmertyp sieht es eher übel aus mit der eigenen Befindlichkeit.

Man steckt zurück. Man vergisst sich selbst.

Man schaut, dass es der Freundin, dem Partner, den Kindern, der Familie, dem Hund gut geht. Und erst dann, irgendwann, viel später oder auch nie, erst wenn alle anderen schon fast perfektionistisch zufriedengestellt und bestens versorgt wurden, dann kommt man selbst. Das macht mit der Zeit nicht glücklich. Es kann sogar krank machen.

Was das mit dem Höllenhund zu tun hat? Sehr viel.
Ein Tier aus dem Tierschutz mit einer furchtbaren Vergangenheit braucht oft hundert Mal mehr Einfühlungsvermögen, tausend Mal mehr Zuwendung, hat meist krankheitsbedingt spezielle Bedürfnisse und bestimmte Anforderungen an den Alltag.

Das kostet Zeit, Energie, Geld und Kraft.
Mein Hund, so sehr ich ihn auch mit jeder Faser meines Herzens liebe, ist so ein Energieräuber.

Es liegt nicht nur daran, dass er in seinen Eigenheiten meinen Alltag sehr erschwert, Hundekontakte unmöglich macht und jeder Gang aus dem Haus zu einer Herausforderung wird, die es täglich neu zu meistern gilt.  Alles will geplant sein, Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf werfen ihn total aus dem Konzept.

Es liegt auch an mir und meiner Art darauf zu reagieren. Ich könnte nun sagen, es ist nur ein Hund, soll er doch machen, wie er will.
Ich aber denke: Ich will, dass er es so schön wie möglich hat. Noch schnell gucken, ob es ihm eh gut geht. Für ihn extra täglich frisch einkaufen und kochen, weil er gerne zu geregelten Zeiten frisst und natürlich nur spezielle Dinge. Noch schnell dies und das und zwei Mann (oder zwei Frau) hoch plus ein Auto, um ihn bei seinen geliebten ausgedehnten Spaziergängen zu eskortieren, ihn irgendwo in die Pampa zu kutschieren, dann das Auto putzen.

Es gibt Tage da denke ich mir: Ist es wirklich sinnvoll, sein ganzes Leben nach einem Hund zu richten?

Der Höllenhund erfordert einen Aufmerksamkeits- und Pflegegrad wie ein Kleinkind; er hält mich 12 Stunden am Tag auf Trab, manchmal auch nachts. Wenn ich Verwandte und Freunde frage, was sie zu dieser verqueren, ungewollten und unerwarteten Mensch-Hund-Konstellation sagen, sehen die mich an, als hätte ich einen Dachschaden. Niemand, den ich kenne, würde so auf die Bedürfnisse seines Hundes eingehen. Weder wollen noch können. Tanten und Onkeln meinten bereits des öfteren mitleidig: Bela, gib ihn doch einfach im Tierheim ab und lebe! Du wirst nicht jünger!

Das kann man sehen wie man will, aber wer mich kennt, weiß, dass es kein Zurück für mich gibt. Wer unter meinem Schutz steht, für den sorge ich, selbst wenn es sich an sehr vielen Tagen meines Lebens anfühlt, als trüge ich eine Zentnerlast auf meinen Schultern.
Niemals Urlaub, niemals eine Auszeit. Bin ich weg, frisst der Hund nicht und wartet. Mitnehmen in Lokale, Hotels oder sonst wohin auf öffentlichen Plätzen ist hochgradig stressig für den Hund und somit für uns beide völlig unmöglich.
Bin ich weg, kann niemand mit dem Hund spazieren gehen.
Ich fühle mich oft wie gefangen.

Denn es gibt keinen Ausweg, der Hund gehört zu mir. Er hat es sich nicht ausgesucht, von der Straße eingefangen, in ein Tierheim eingesperrt und an mich durch einen Verein verkauft zu werden. Ich hätte es mir aussuchen können. Ich bin der Mensch. Und ganz ehrlich: Selbst wenn mich jetzt viele hassen, ich würde es nie weder tun.

Ich würde mir keinen Hund mehr nehmen, den ich nicht wenigstens vorher persönlich gesehen habe. Und ich würde auch niemandem zu dieser Erfahrung raten, einen völlig unbekannten Hund aufzunehmen, dem sein eigener Lebensstil lieb und teuer ist.

Es kann gut gehen, ganz klar.

Nicht alle Hunde sind so marod wie meiner. Es kann aber auch schief gehen. Und was machen Sie dann? Haben Sie die Zeit, Geduld und Liebe, sich intensiv um das Tier zu kümmern? Haben Sie einen Job, der das zulässt? Bringen Sie ausreichend körperliche Belastbarkeit für extreme Situationen in allen Bereichen mit? Winter wie Sommer?

Wollen Sie das wirklich?

Und ich kann Ihnen versichern: Niemand will das wirklich. Man möchte auch gerne Freunde treffen, unter Menschen kommen, nicht ständig zwanzig Augenpaare um jede Straßenecke vorausschauen lassen müssen, um jeden Bissen buhlen, damit der Hund frisst.

Ich würde mir überhaupt keinen Hund mehr nehmen, obwohl ich sicher lange Zeit sehr traurig und einsam sein werde, wenn er einmal nicht mehr da ist.
Als hochsensibler Mensch muss ich nach all den Jahren der Sorge und Plage, (und wer keinen Höllenhund oder chronisch kranken Hund sein Eigen nennt, kann da schlichtweg nicht mitreden!), auch mal wieder auf meine Befindlichkeiten und Bedürfnisse schauen.

Mal wieder, nach sieben Jahren, ein paar Tage auf Urlaub fahren, den Strand entlang bummeln, gemeinsam in einem Kaffeehaus sitzen, der Sonne zusehen, wie sie ins Meer fällt. Keine besonderen Ansprüche, einfach relaxen und ausspannen ohne zu denken: Geht es ihm gut? Hat er wirklich alles? Was macht er gerade zu Hause, weil ich ihn nirgends mitnehmen kann? Bin ich schon zulange weg?

Viele werden jetzt lächeln oder denken, der Tierarzt spinnt. Damit kann ich leben. Ich wurde so geboren, ich kann nichts dafür, ich kann es auch nicht ändern.

Ich bin die Glucke, die meinen sind mir heilig.
Neulich wollten wir einen kleinen Ausflug machen, der Hund, die Dame des Hauses und meine Wenigkeit.
Es war kühl draußen und der Hund liebt es immer sehr, mit dem Auto mitzufahren. Manchmal möchte er gar nicht mehr aussteigen, so gut gefällt es ihm im Auto.
Wir freuten uns auf den Ausflug in die Steiermark; dort wollten wir am Bauernmarkt einkaufen, mit dem Höllentier über die Felder spazieren und gleich wieder heimfahren. Also fuhren wir entspannt mit Sack und Pack los.

Als wir auf der Autobahn waren und die ersten zwanzig Kilometer zurückgelegt hatten wurde der Hund wahnsinnig unruhig. Er konnte die Umgebung nicht einschätzen, denn er kennt alle Strecken, die wir sonst fahren und auch alle Straßenmarkierungen, ob Sie es glauben oder nicht. Weichen wir nur kurz ab von der gewohnten Strecke, reagiert er irritiert.

Wir waren ungefähr bei Baden, als er jämmerlich zu fiepen begann. Er weberte unruhig auf seiner ausgebauten gemütlichen Rücksitzbank hin und her, schaute immer wieder aus dem Fenster. Nein, er musste weder auf die Toilette noch war ihm übel oder sonst was.

Ich kenne meinen Hund, wenn er Angst hat. Und er hatte definitiv Angst.

Er hatte Angst, wir würden mit ihm wieder ins Ungewisse fahren, ihn vielleicht wieder irgendwo abschieben, ihn alleine zurücklassen. Ich bin ganz sicher, dass er so etwas in der Art dachte.
Wir schauten uns kurz an und es war klar: Nächster Exit Wiener Neustadt runter von der Autobahn und retour nach Hause. Der Hund war vor fast sieben Jahren über diese Autobahnstrecke mit einem Bus zu uns transportiert worden. War es das Geräusch der Reifen, das bei einer schnellen Fahrt über die Autobahn anders klingt oder die vorbeiziehende Umgebung, wir werden es wohl nie wissen.

Fakt ist, dass wir in dem Moment, in dem wir beschlossen hatten wieder umzudrehen, einen völlig ausgewechselten Hund an Bord hatten.

Der Höllenhund legte sich augenblicklich hin, seufzte tief und schlief durch bis wir die Stadtgrenze erreicht hatten. Dort gab es natürlich für die Unbequemlichkeit, die er durch uns hatte, eine Belohnung beim Drive-In seiner Wahl.

Lachen Sie ruhig. Es macht mir nichts aus. Hauptsache, er ist glücklich. Er muss nirgends durch. Und ich kann Brot und Eier auch im Metro einkaufen.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

 

 

With a little help from Ikea

ikea tasche frakta
Höllenhunde sind meist hochsensibel; schon deshalb agieren sie nicht so verhaltensneutral wie andere Hunde. Tragen sie noch zusätzlich ein doppeltes Nordpol-Gen in sich, ist meist Schluss mit lustig, vor allem wenn es darum geht, wer den längeren Atmen hat.

Sie mögen es vielleicht nicht glauben und auf den ersten Hingucker sieht es auch nicht so aus, aber lassen Sie es mich in beschönigende Worte fassen: der Mensch ist es sicher nicht. Den längeren Atem hat immer der Hund. Immer. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint.

Der Mensch, der einen Nordpolhund seinen Freund nennt sollte von äußerst ausgeglichenem Gemüt sein und/oder möglichst immer eine Großpackung Baldrianhochdosistabletten zur Hand haben, für sich, wohlgemerkt, nicht für den Hund.
Manchmal braucht es auch nur eine Frakta-Tasche, aber dazu kommen wir später. Denn handelt es sich um einen eher nervösen Charakter wird das Ende ein eher unschönes sein. Für den nervösen Menschen, ebenfalls nicht für den Hund.

Schlittenhunde sind stur wie die Hölle.

Wollen sie etwas nicht (oder schon) können sie es aussitzen, nötigenfalls stundenlang. Im Fall meines reizenden Exemplars bin ich sicher, er käme mit der Aussitznummer locker ins Buch der Rekorde.

Wir gehen manchmal beispielsweise nicht mehr freiwillig ins Haus hinein. Weil es nämlich draußen sehr viel lustiger ist, vor allem, wenn es biestig schneit, möglichst sehr kalt ist oder der Nordwind weht. Nordpol!, denkt der Höllenhund und sein diabolisches Feuer entzündet sich so schnell wie ein Anzündholz im Schwedenofen, vor dem ich bei Eskimowetter gerne sitzen würde.

Wir haben so einen Schwedenofen. Wir brauchen aber kein Holz mehr zu kaufen, denn seit das Hündchen bei uns eingezogen ist wohnen wir lieber im kalten Haus. Ungeheizte Räume, damit es sich wohl fühlt, das Tier. Das Hündchen wäre trotzdem lieber draußen im Garten und zwar Tag und Nacht. Also nicht dass der Hund krank wäre oder je traumatische Erlebnisse im Haus hatte. Ich kann das beim Leben meiner Eltern beschwören, hatte er nicht.

Er ist leider klug.

Manchmal zu klug, denn er weiß ganz genau, wie er einen Spaziergang möglichst lang ausdehnen kann. Indem er seine besten Waffen gegen mich einsetzt, nämlich seinen Dackelblick und seine 33 Kilo Lebendmasse, die sich dann einfach konsequent dagegen sträuben, dort hinzugehen, wo ich will, kriegt er alles was er will. Er bleibt einfach plötzlich stehen. Ich kenne diesen Blick. Gehe ich dann in die Richtung, in die er auch gehen möchte ist alles fein. Manierlich und ohne an der Leine zu zerren schreiten wir elegant voran. Gebe ich allerdings nicht nach, setzt er sich einfach hin. Ich könnte dann an seinem Brustgeschirr zerren, am Halsband ziehen, ich könnte ihn schubsen, locken, schieben, mit frischem Ochsenziemer oder Schinken vor seiner Nase wackeln; ich könnte Quietschenten vor ihm fallen lassen, Bälle rollen oder sogar einen Hamburger vor seinen Schlund drapieren: Nichts geht mehr! Selbst wenn ich heftiger anziehe (so, dass er sich garantiert weh tut, weil er dann schreit, da ihm ohnehin die Knochen wehtun) bleibt er stur.

Bis ich nachgebe. Denn wer fügt schon gerne seinem geliebten Hund Schmerzen zu. Ich jedenfalls nicht. Dann gehen wir halt dahin, wo er will, solange wie er will und mir wird kalt und immer kälter und ich werde alt und immer älter während er aufblüht, draußen im Freien, während ich ihn verwünsche und langsam verfalle. Jedenfalls kommt es mir manchmal so vor.

Die Königsdisziplin dieses lustigen Spiels ist das Heimkommen.

Er weiß, dann muss er wieder in verhasste Haus, weil es ihn draußen im Garten nämlich im Winter zuschneien würde und ganz ehrlich, wer will das mit ansehen?
Darum bleibt er an schlechten Tagen einfach fünf Schritte vor der Haustüre stehen, wie einbetoniert. Und da es sich leider nicht um ein Minihündchen handelt, welches man praktischerweise einfach hochhebt und nach Hause trägt, kommt man ins Schwitzen.

Zuerst wird man zornig. Fehler, großer Fehler!

Leicht erzürnbare Personen sollten sich niemals einen Nordischen halten, ich rate dringend davon ab! Nur pure Buddhisten oder Yedimeister sollten diese Rasse wählen, möglichst irgendwo in Alaska. Oder Menschen, die mindestens immer einen Plan B oder C bei der Hand haben und zusätzlich sehr viel Zeit. Ich gehöre zur zweiten Sorte Mensch. Wenn ich keinen Ausweg mehr sehe werde ich sehr schnell sehr schlecht gelaunt. Dann borstet der Hund noch mehr wider und setzt sich nicht fünf Schritte vor der Haustüre, sondern womöglich schon am Parkplatz nieder, um augenblicklich zur Sphinx zu erstarren. In ganz üblen Fällen wo mir schon die Augäpfel aus dem Gesicht quellen während ich freundlich säusle „Komm, Herzerl!“, steigt er gar nicht erst aus dem geliebten Auto aus sondern bleibt gleich dort sitzen.

Plan B!

Ich sage nur: Haben Sie in so einem Fall immer Plan B bei der Hand, egal wie der auch aussieht. Alles geht, was gewaltfrei ist.
Bei uns war es das Einkaufsparadies für Familien welches die zündende Idee gab. Ich danke hiermit hochoffiziell dem Erfinder der ewig haltbaren, unzerstörbaren, robusten Ikea-Frakta-Tasche. Denn ich grübelte und grübelte was ich gegen demenzhafte Sturheit des Hundes machen könnte, um das innig geliebte, geschätzte Haustier, das manchmal eher an einen Zombie oder den re-inkarnierten Dexter erinnert, ins Haus zu bekommen.

Tata!

Zu Ikea gebraust, eine 4 Euro Plastiktasche erstanden, in diese vier Löcher geschnitten und drei Riemen angenäht und das Problem war gelöst. Vielleicht nicht so elegant wie mit dem 300 Euro Tragegurt-Geschirr für Polizeihunde aber dafür genauso hilfreich. Den überraschten sturen Hund dezent und fröhlich probeweise indoor in diese Tragehilfe verfrachtet und kurz auf Reißfestigkeit und Toleranz des Insassen getestet, dann belohnt und wieder ausgepackt und fertig war Plan B.

Als er es wieder vor der Haustüre aussitzen wollte, holte ich flugs die Tasche und dann hob ich das Höllentier in der Tasche an drei Riemen hoch, seine vier aus den Löchern herausschauenden Füsslein konnten freiwillig mittrippeln oder es bleiben lassen.

Schon ging es sekundenschnell ab nach Hause.

Wo man mich kurz empört mit Verachtung strafte. Damit kann ich aber leben, denn drinnen ist es zwar nicht wohlig warm, aber ich habe wenigstens Tee und Kuchen. Und einen Hund, der unverletzt in Sicherheit gebracht werden kann, dank dieser Self-Made Tasche.

Dies ist bitte keine Tierquälerei, denn der Hund verbringt keine drei Minuten in der Tasche und ich zippe sie ja auch nicht zu. Vorne schaut der Kopf heraus, hinten der Schwanz. Er wird darin nur sicher dorthin befördert, wo man ihn haben will, ohne ihn zu stressen und ohne ihm weh zu tun. Kann auch ganz hilfreich sein, falls er mal verletzt irgendwo liegt, denn heben Sie einen 33 Kilo schweren Vierbeiner alleine auf. Das ist so gut wie unmöglich. Mit Hilfe dieser Tasche kann aber auch eine zarte Frauensperson auf kurzer Strecke einen schweren Hund problemlos transportieren.

Der Hund, im Haus angekommen, zeigt keinerlei Abwehrreaktionen, er steht brav da und lässt sich wie ein Lamm in die Tasche verpacken und auch wieder aus ihr herausschälen, während ich ihn lobe. (Was ihm auch egal ist.)

Nur die Nachbarn, vor deren Küchenfenster ich mit dem Taschenwolf vorbei muss, sehen mich seither befremdlich an. Gesagt haben sie aber nichts, genauso wenig wie der Höllenhund. Der allerdings deshalb, weil er ganz sicher weiß, dass ich wirklich die allerletzte Instanz bin, die ihm immer die Stange hält, trotz all seinen Marotten.

Jeder andere hätte schon längst das Handtuch geschmissen. Ich aber liebe wohl die Herausforderung, genauso wie ihn.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor