Der Wasseranimateur

wasser
Vielleicht denken Sie nun, mein Hund planscht gerne im Wasser herum oder ist einer, der jede Schwimmgelegenheit nutzt und sei es auch nur eine kurze erfrischende Schlammpackung in einer möglichst tiefen Pfütze.

Weit gefehlt.

Der Hund hasst Wasser, sobald es vom Himmel fällt und auch, wenn es aus dem Gartenschlauch kommt, ist er eine Wolke, die sich schleunigst in Sicherheit bringt. Ins Trockene, sofort! Wasser ist nicht sein Element und ehrlich, meins ist es auch nicht.

Seit aber vorige Woche bei dem Höllenhund Gries in der Harnblase festgestellt wurde in Form widerlicher unbeeinflussbarer Calciumoxalatkristalle, brennt der Hut.

Was brennt muss gelöscht werden.

Mein Hund gehört zum Glück zu der Sorte der Vieltrinker. Was einen enormen Vorteil bedeutet im Fall dieser Diagnose. Denn aus Kristallen wird Gries, aus Gries werden Steine und aus Steinen ein Notfall, der flugs eine Operation benötigt, weil wenn so ein Stein die harnableitenden Wege verstopft ist der Hund schneller im Jenseits als man schauen kann ob er noch lebt.

Das will natürlich keiner.

Um das abzuwenden muss ab sofort auf den richtigen Ph-Wert des Hundeharns geachtet werde, er darf daher bestimmt Dinge, die er gerne frisst, nicht mehr essen. Was bei dieser Sorte Hund, die ohnehin schon schlecht frisst, eine riesige Herausforderung darstellt.
Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass der Vierbeiner viel trinkt.

Und nun komme ich ins Spiel. Ich bin der Wasseranimateur. Ich habe dem Hund schon seit dem ersten Tag bei uns angewöhnt, nach jedem Spaziergang, nach jedem Spiel, nach jeder Autofahrt zu trinken. Dies geht hervorragend indem man sofort nach dem Einsteigen ins Auto dem Lieblingstier seine gewohnte Schale voll mit frischem Wasser unter die Nase hält. Leitungswasser, welches man in Plastikflaschen mitführt.

Dann regt man den Hund an und animiert ihn durch Wasserspiele mit einem Finger, der lustig in der Schüssel plantscht, wobei ganz sicher alle Personen im Auto geduscht werden, zu trinken.

Feines Trinki!, sagt man dann und zeigt sich zufrieden, hocherfreut und megastolz auf den herumsauenden sabbernden Vierbeiner.

Mein Hund trinkt unterwegs gerne aus einer hellblauen Keramikschale, immer in zwei Etappen.

Trinken, schauen, nachfüllen, trinken, schauen, spucken.

Dabei steht er auf seiner ausgebauten Rücksitzbank und hält den Kopf ein wenig zwischen die Vordersitzen, denn so kann man auch beim Trinken die Gegend ganz genau im Auge behalten, auch während man trinkt. Könnte doch einer daherkommen, den er dabei übersieht, nur wegen der Wasserschlemperei! Also, Augen aufreissen und saufen!

Nach jedem Keksi, nach jeder Buttersemmel wird der Hund zum Trinken animiert. Sein Joghurt wird auch stark verwässert, was ihn nicht stört, solange es nach Joghurt schmeckt.

So geht das! Man hält sich als tierischer Patient einen hauseigenen Wassercoach, der einen zum Vieltrinken in allen möglichen und unmögliche Lagen auffordert. Klappt ganz gut, denn die Nierenwerte vom Höllenhund freuen sich darüber. Und wir haben auch immer feuchte Luft im Auto, was die Gesichtshaut der Dame des Hauses erfrischt und hydriert, während ihr im Winter oft die Gesichtszüge kurzfristig entgleisen, weil das Wasser vom Hundi spontan an der Autoscheibe anfriert und Schneeflockenmuster bildet oder herzige Flecken auf der frischen Bluse macht.

Aber wie sagte sie neulich doch so passend zu mir: „Er kann machen was er will, Hauptsache er ist gsund.“.
Recht sie hat!

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

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