I love my dog, but…

gack sack
Es ist jetzt modern- und man will ja mit der Zeit gehen!- sich vor Publikum auf You Tube oder egal welchen Sozialen Netzwerken auch immer so in Szene zu setzen, dass man als prominenter Mensch (egal ob A, B oder C-Promi) menschlicher wirkt.

Soll heißen, man breitet freiwillig sein gesamtes Leben auf einem öffentlichen roten Teppich aus und zeigt sich verletzlich, man schwelgt in seinen Fehlern oder posiert als Humanoide, dem auch mal was schieflaufen darf. Oder so.

Frei interpretiert heißt das eigentlich, man nimmt den Paparazzi den Job weg. Ich habe mich jetzt nicht wirklich hineingekniet in die Materie, aber ich las darüber, dass es Hollywoods neueste Masche ist, so zu tun als ob.

Ich habe es da besser.

Ich bin nicht prominent, der einzige Mensch, der mich auf der Straße wiedererkennt, ist höchstwahrscheinlich der Gärtner, mit dem ich mich neulich gefetzt hatte. Natürlich wegen meinem Hund. Der bösen Durchfall hatte, wegen dem ewigen leidigen Salz, das auch vier Wochen nach der Ein-Zentimeter-Schnee-Attacke auf Wien noch in drei Zentimeter hohen Schichten auf allen Straßen herumlag, unwegkehrbar, hoch giftig und natürlich war auch kein Tropfen Regen in Sicht, wenn man ihn mal braucht.

Es handelte sich um diese Sorte Durchfall, wo die Hand des Menschen nicht mal mehr rechtzeitig in die Kottüte fahren kann, selbst wenn sie geübt ist.
Hinten aus dem geliebten Hund schießt es heraus und dann ist Schluß mit lustig! Gack-Sack-Pack oder wie man den Spaß sonst noch zackig nennt hat keine Chance gegen die Natur, die von sich geben will, was raus muss.

Ich bückte mich also gerade auf einem kargen Wiesenstück gegenüber des reichen Gärtners Haus, um hinter dem Hinterteil meines geliebten Tieres jede Menge flüssiges Hunde-AA einzutüten. Eigentlich ist es eine Villa, denn er ist auch Friedhofsgärtner und wie wir alle wissen, zahlen die Hinterbliebenen gerne und gut für sinnlose hässliche überteuerte Kränze, die ohnehin keiner mehr braucht, schon gar nicht der Verblichene. Eine Unsitte, die wirklich abgeschafft gehört, wenn Sie mich fragen.

Der Hund pfiff also los und ich kam kaum hinterher mit Wegräumen und dann quoll das Säckchen fast über und wenn Sie je das zweifelhafte Vergnügen hatten, hochgradigen Hundedünnpiff einzusammeln und das hinter einem Hund, der ständig zwei Schritte macht und dann wieder und wieder etwas aus seinem Hinterteil fallen lässt- naja, ich denke, Sie wissen, was ich meine. Es ist nicht lustig.

Irgendwann geht es dann nämlich wirklich über, das Säckchen. Man hat sonst zehn davon in den Taschen, in solchen Momenten ist aber garantiert nur eines da. Und Ihre Hand ist voll, in der anderen verkrampfen sich die klammen Finger um die Leine. Just in dem Moment, wo ich drauf geschissen habe die flüssige Scheisse von der dreckigen Wiese zu kratzen weil sie mir bereits quer über das Handgelenk rann und auch aus dem übervollen Sack, kam der Gärtner mit dem Grabbukett aus seiner Villa.

Er warf den Kranz in seinen Kübelwagen und stapfte zornig über die Gasse Richtung Wiese, seiner Wiese, wie er wohl annahm, obwohl es eine öffentliche Wiese ist, dreckig und zugemüllt von menschlichem Unrat. Aber nun. Er kam auf mich zu und schrie mich an: „Du da nie wieder herkommen, wenn du nicht entsorgst Scheisse von Köter!“ und zückte sein Handy.

Ich, ohnehin zermürbt, verfroren und mit einer eingekoteten Hand nicht sonderlich gut gelaunt, blieb stehen. Ein Wort ergab das andere. Er schritt zu Tat und fotografierte mich und mein Auto, schrie herum, während ich mit dem übervollen Kackbeutel vor seinem Gesicht herumfuchtelte und so tat, als würde ich das Ding in seinen Lieferwagen werfen.
(Dabei wäre mir sein Gesicht das weitaus liebere Ziel gewesen.)

Der Höllenhund machte das, was man von einem Höllenhund am wenigsten erwartete: er tat gar nichts. Er stand nur stumm und kastriert herum und leckte irgendwo konzentriert an einem Grasfleck wo irgendwann eine läufige Hündin markiert hatte. Selbstgefällig und in sich ruhend ignorierte er unser Tourette- Geplärr und speichelte lüstern vor sich hin. So als ob ihn das nichts anginge: Pretend being top dog! So macht das der echte Alpha, er lässt die anderen toben und hält sich erst mal raus.

Ich riss dem Flegel das Handy aus den Pratzen, er riss es wieder an sich. Kurz überlegte ich ob ich dem reichen Sack den vollen Beutel wirklich ins Auto werfen sollte, dann hielt ich inne und griff meinerseits zum Mobiltelefon. Das klingt jetzt sehr elegant.
In Wahrheit wühlte ich übererregt mit der freien Kackhand in meinen Taschen herum weil man das Handy nie findet wenn man es wirklich braucht. Es war kein schöner Anblick.

Der Hund leckte weiter entspannt am Gras herum. Er, den sonst das Geräusch des heranwachsenden Grases wie angestochen toben lässt, war die Ruhe selbst.

Wir schrien herum. Fenster öffneten sich und schlossen sich wieder. Nachdem der Gärtner dort wohnte nahm ich mal an, dass sich niemand auf meine Seite stellen würde, schon wegen der guten Nachbarschaft nicht. Und so war es dann auch. Fenster schlossen sich und blieben zu. Wir stritten weiter.

„Bitte recht freundlich“ sagte ich, als ich endlich das elende Handy gefunden und auf ihn gerichtet hatte, während meine braune Hand den Kackbeutel umklammerte, die Leine hielt und auch den Gärtner festhielt, in Wort und Bild.

Da verschwand er plötzlich mit den Worten „Du dich lassen nie wieder hier blicken mit Hund!“, und brauste mit Lieferwagen und Kränzen davon.
Nun ja. Ich schritt zur Tat, neben seiner Gärtnervilla befindet sich auch seine Blumenhandlung. Rauschte hinein, stellte den Verkäufer zur Rede, ob er den Mann kennt, der mich aggressiv bedroht und fotografiert hatte. Der verneinte. Bis er das Foto sah und auch das Filmchen. „Oh!“, sagte er, und plötzlich erinnerte er sich dann doch wieder, „Das ist ja Papa!“.

Dass ich dort nicht mehr einkaufe, versteht sich wohl von selbst. Papa könne übrigens gar nicht mit Handy umgehen, meinte der Junior-Kranzwinder der Firma W. in 1130 Wien statt einer Entschuldigung.

Ich ging zum Auto wo kleiner Wolf bereits geduldig und handzahm ausharrte.
Sollten Sie mich also demnächst auf einem Foto Kotbeutelchen schwingend auf Social Media wiedererkennen, wissen Sie nun warum: Pretend being freundlich zu Hundehasser.

Nicht die leichteste Übung. Dennoch, ich habe sie absolviert. Denn es ist so: I love my dog, but…

Sie können nun gerne mitspielen! Es befreit und macht Spaß. Und für Kleiner Wolf mache ich mich immer wieder gerne zum Affen. Aber das wissen Sie ja sicher schon.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

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