Inselbegabung

Vielleicht kennen Sie den Begriff; er betrifft die manchmal außergewöhnliche Begabung an Autismus erkrankter Personen. Man denke nur an den großartigen Dustin Hoffman in Rain Man: Karten zählen im Casino, dafür Licht aus um Zehn! Solche besonderen Fähigkeiten machen autistische Menschen manchmal aus.
Nun nennt eine sehr liebe Facebook Freundin das zu ihr gehörende Exemplar von Höllenhund gerne autistisch und ganz ehrlich, ich kann das voll und ganz nachvollziehen.

Mit kleinen Einschränkungen vielleicht, da sich unsere von Autismus gekennzeichneten Tiere doch meist nur mit einer oder zwei, statt mit drei typischen Kennzeichen des typischen Autisten auszeichnen.

Das erste Merkmal bedeutet mehr oder weniger massive Probleme im sozialen Umgang mit anderen Hunden.
Das kann ich so einhundertprozentig bestätigen, jedenfalls bei meinem Exemplar.

Zweites kennzeichnendes Merkmal wären da die stark eingeschränkten Interessen mit stereotypen, sich ständig wiederholenden Verhaltensweisen.
Auch da stimme ich voll zu ohne weiter auszuholen.

Auffälligkeiten bei der Kommunikation sehe ich hingegen bei meinem Höllenhund nicht, er kommuniziert immer glasklar was er möchte. Und erst recht, was er nicht möchte.
(Das betrifft sowohl die sprachliche als auch die nicht-sprachliche Verständigung.)

Neulich habe ich seinetwegen eine Wette verloren.

Ich habe noch nie so gerne verloren, ich schwöre! Die Dame des Hauses, die mich gelegentlich zum Wetten nötigt (dies aus gutem Grund, denn ich verliere immer!) motivierte mich zu einer Kaffeewette. Ich ließ mich überreden, weil ich mir manchmal einbilde meinen Hund sehr gut zu kennen und sein Verhalten in sehr vielen Belangen zu durchschauen. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall; ich schlug ein und, Sie ahnen es sicher schon, ich verlor natürlich.

Es ging um nichts Besonderes.

Nur wieder mal darum, ob der reizende Hund nach einem Spaziergang bei Minusgraden (deren Tiefe oder Höhe, ganz nach Belieben, ich hier nicht mal mehr schreiben möchte) freiwillig ins Haus geht oder eben nicht. (Eben nicht heißt dann nochmal über versalzene Straßen zu stolpern, immer seiner Nase nach, den ganzen weiten Weg, den man eben mühsam zurückgelegt hat, nochmal zu laufen, denn wenn er halbswegs müde genug ist, der Hund, ist er hauskompatibler.)
Ich latschte also die Strecke hundsmüde und halb erfroren brav ab, umschiffte wie immer sämtliche Gefahrenquellen wie vorbeifahrende Lkw und plötzlich vorhandene diverse unangeleinte Artgenossen und wünschte mir nichts sehnlicher als Sommer und eine heisse Tasse Tee.

Ich schwor aber Stein und Bein, dass der gute Hund auch diesmal noch gerne eine kleine Zusatzrunde machen würde. Weil wenn es besonders widerlich schneit, stürmt oder es andere extreme wetterliche Unbillen draussen hat macht er besonders gerne lang hin.

Halt, hier nochmal extralang stehenbleiben und riechen.

Dabei vielleicht noch verkehrt rum in die Dornen kriechen und dann schnell da raus, während diese ins menschliche Antlitz schnalzen. Und nochmal drei Schritte retour, dort war eventuell noch die fesche Hündin, die grad läufig ist und Hund muss da auf jeden Fall noch dringend hin, obwohl kastriert.

Da noch rüber, hier noch gucken, während Herrchen schon die Nase abfriert. Na und? Juhu, es ist saukalt und ich bin‘s, ein Schlittenhund!

Dann den ersehnten Haufen möglichst weit im Gebüsch oder auf dem Baumstamm direkt vor dem Haus, wo der ungemütlichste Typ vom ganzen Bezirk wohnt, absetzen. Weil besagter Typ immer nur darauf wartet, dass er den Zweibeiner endlich mal erwischt, wenn der grad keine Kacktüte dabei hat.

Sowas spürt ein anständiger Höllenhund. Das ist seine Inselbegabung; er macht mich gerne lächerlich. 

Wer so dramatisch an fixen Gewohnheiten festhält, so richtig mit Akribie und Tücke, den kann man doch getrost benutzen, um eine Wette zu gewinnen? Oder?

Hundert Mal bockt der Hund, wenn‘s ums Heimgehen geht. Wenn aber die Wette gilt, geht er klarerweise sanft wie ein Lämmchen mit der Dame des Hauses nach Hause. Engelsgleich überschreitet er mit ihr zeitgleich und harmonisch die Türschwelle und geht unschuldig Wasser trinken.

Das ergibt dann auch Erklärungsbedarf bei den Wettbeteiligten. Funktioniert dieses Muster auch bei der nächsten Wette wieder? Weil ich nämlich sehr gerne bei arktischem Wetter jedes Mal fünf Euro zahle,  wenn der Hund dafür freundlicherweise zügig unser Haus betritt.

Und drei Mal dürfen Sie raten. Es klappt natürlich- nicht.
Hamkummst!

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

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Ein Kommentar zu „Inselbegabung

  1. …. ich sag nix …. grinse breit … und sage Danke …. doch ich muss auch diesmal lachen … und ich schwöre drauf …. Finn, muss aus der Linie vom Höllenhund stammen …
    Bei uns sind wechselnde Bodenbeläge, Treppen, Trennschienen, Kanaldeckel und Gullys, zusätzlich ein tolles Thema … gar manches Mal stehst du einfach vor einer Tür und kommst nicht rein, manchmal dauert es einfach nur, 10 min 20 min 30 min … weil , ja genau, sich für die Fellnase dort Abgründe zeigen oder was auch immer … und manchmal drehst du um, gibst auf und gehst … Adieu Kaffee, Steak und Pizza, Freunde besuchen, aber wenigstens hatten die Menschen um uns herum SPASS und Gesprächsstoff… Ein Innenstadtbesuch …. ha … Slalomlauf, aber wir geben nicht auf …. egal wie oft die Pfoten, mitten im Schlendern in den Asphalt gestemmt werden, weil das Pflaster die Richtung wechselt und Gullys und Deckel großräumig umrundet werdet müssen …. egal … wir lieben den Kerl mit seinen 5 Jahren und hoffen es werden noch sehr viele mehr … in diesem Sinne … LG aus Hessen an den Höllenhund und seine Liebsten …

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