Starallüren

 

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Richtige Stars haben richtige Extrawünsche. Mariah, (die mit dem Extra-h!) steht auf Luftbefeuchter und rote Flauschteppiche; falls sie mal schmerzende Füße hat, läßt sie sich eben tragen. Prince liebte seine Sauerstoffbar und schwarzes Interieur. Was Justin Spiegel ober dem Hotelbett sind, sind den Rockstars von Janes’s Addiction (nein, ich kenne diese Gruppe auch nicht) frische Unterhosen, Backstage gelagert.
Was das mit meinem Höllenhund zu tun hat?

Er ist exzentrisch.
Nicht nur was seine Betten betrifft.

Auch beim Essen betont seine ungarische Fürstlichkeit die edle Abstammung aus dem dreckigen Einzelzwinger in der ungarischen Pampa, wo Hunde wie er täglich ums nackte Überleben kämpfen. Er damals auch. Aber dennoch hat sein offensichtlich rockstarmäßiges Geblüt dadurch keinerlei Schaden genommen; mein Hund ist wählerisch und schwer zufrieden zu stellen.

Vom Brot isst er nur das Scherzerl. Und bitte ohne Butter! Der Rest interessiert ihn nicht die Bohne. Herrli, kannste selber essen!

Die Kekse, auch nur eine ganz bestimmte Sorte, müssen in einer bestimmten Anordnung auf seinem eigenen kleinen Kekstisch liegen, damit sie genehm sind. In kleine, mundfeine Bissen von Hand gebrochen. Gegessen werden die aber immer nur nach dem Yoghurt oder vor dem Abendessen.

Das Yoghurt ist bitte immer in einer weißen, nicht zu hohen Porzellanschale (auf der untersten Stiege abgestellt), zu reichen!

Spucken kann er übrigens wie ein Lama; ist ein Bissen, den ich ihm reiche, zu groß, spuckt er ihn in hohem Bogen wieder aus. (Übrigens, Lama ist das neue Einhorn!)

Im Auto kommt das ganz besonders gut, da diese winzigen Häppchen geradezu magnetisch in die Ritze zwischen Hartplastik und Handbremse fallen und dort nie wieder herausgeholt werden können, weder mit dem Pinsel noch mit dem Gewerbestaubsauger. Auch unter den Sitzen verstecken sie sich unstaubsaugbar gerne.

Dennoch muss man dem Paprikahund zugutehalten: fangen kann er die Bissen, auch wenn man sie ihm zwei Meter weit entfernt zuwirft.
Ein echter Star eben!

Herzlichst,

Dr. Bela Wolf (der mit dem Höllenhund!)

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Licht aus um zehn!

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Kennen Sie den alten Spruch „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“? Oder den: „Ich ess nur, was die Oma kocht!“? Ich habe das als Kind auch immer gesagt: „Ich ess nur, was die Oma kocht!“. Ich verwöhnter Fratz, ich.

Deshalb wundert es mich nur sehr wenig, dass mein Hund so ähnlich gestrickt ist wie ich. Wir stehen uns halt sehr nahe, mein Höllengefährte und ich.
Wobei ich wenigstens bei der Innenarchitektur wesentlich flexibler bin. Ich mag neue Möbel. Der Hund hingegen nicht.

Mein Lieblingshund mag immer nur das, was er schon kennt.
Egal ob Keksi, Hundehütten oder Betten.

Neulich fuhr ich zum Fressnapf und kaufte ein sündhaft teures, wohlig weiches orthopädisches Hundebett. Es passte von der Größe grade mal ins Auto, ganz knapp ging die Türe zu.

Der Hund mag große Betten. Nachts wechselt er dann mehrmals von der linken in die rechte Bettecke um sich mit wohligem Grunzen fallen zu lassen.
Ich schleppte also das tolle neue Bett nach Hause und warf das alte vom Schlafzimmer in den Müll. Die Müllabfuhr kam und das Bett war weg. Hässlich war‘s und durchgelegen!

Das neue Bett stand tagsüber zum Beschnuppern im Wohnzimmer herum und der Hund ignorierte es nicht mal. Abends stellte ich das Bett dann ins Schlafzimmer.
Es wurde Nacht.

Zuerst kam der Höllenhund nicht ins Schlafzimmer und stellte sich zehn Minuten lang ins Badezimmer. Dazu muss ich sagen: Seit der Hund bei uns einzog war er ungefähr so an die sechs Mal im Bad. Er mag das Bad nicht, dort sind rutschige Fliesen.
Er stand also im finsteren Bad herum und atmete vorwurfsvoll. Später drehte ich das Licht ab, Schlafenszeit!

Denkste.
Der Hund atmete schwer, stand unbehaglich und unbeweglich neben meinem Bett und schaute vorwurfsvoll in die Dunkelheit. Kurz vor zwei Uhr morgens begann er möglichst intensiv zu hecheln. Stand er nicht neben meinem Bett, senkte er sein edles Haupt und lag auf dem Teppich oder ging im Zimmer hin und her. Dann wieder lag er neben dem neuen Bett. Einmal betrat er es probeweise, und stieg nach einer halben Minute wieder herab.
DAS IST NICHT MEIN ALTES BETT, NEIN, NEIN!
Das hier kenne ich nicht und will es daher nicht und probiere es auch nicht aus.
(Ich wusste schon: Was der Bauer nicht kennt… usw.)

Die Dame des Hauses zischte um zwei Uhr dreißig in meine Richtung „Sieh nur wie das arme Tier leidet! Und du bist schuld! Du vernachlässigst den Hund durch die ewige Schreiberei und dann schleppst du noch dieses Ungetüm von neuem Bett an, das ist zu hart/hässlich/neu/hoch/unbequem! Wir wollen es nicht!!!“
(Man beachte: „Wir“, bitte, nicht „Er“!)

Der Hund schnaubte, hechelte und stand immer noch in der Gegend herum. Das kann er gut. Er hat dabei immer den längeren Atem. Weil irgendwann regt mich das so auf, dass ich wutschnaubend die Decke von mir werfe und das war’s dann mit Nachtruhe.

So war es auch diesmal.

Im Morgengrauen stolperte ich zornig die Treppe hinunter um das zweite alte, feine Hundebett, das ich gottlob noch nicht weggeworfen hatte, in den ersten Stock zu schleppen. Ich sage nur: Wendeltreppe! Kontaktlinsen! Kalt!
Kein Spaß.

Mit letzter Kraft zerrte ich das neue superteure Ungeheuer ins Bad und warf es Richtung Badewanne.
Der Hund hingegen legte sich mit einem lauten Seufzen ins alte Bett, ringelte sich, drehte den Kopf weg von mir und schlief augenblicklich ein.

Ich nicht. Ich hörte noch eine Zeit lang „Siehst du! Du warst schuld, dass der arme Hund kein Auge zutun konnte!“

Der Bauer.
Frühmorgens bestellte ich ein neues, altes Bett bei Amazon. Hoffentlich kommt es bald.
Gegen Mittag dann beim Fressnapf bekam ich einen Gutschein überreicht für das neue Bett. Den ich nicht brauchen kann, weil mein Hund von dort nichts frisst. Und nein, wir tragen auch kein Hundeoutfit von dort. Ich kann von Glück reden, dass das Höllenvieh wenigstens gerne mit meinem neuen Auto fährt. Ich hätte sonst den Kampf verloren. Wo ich doch immer schuld bin. Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.

Herzlichst, Bela Wolf

Tierarzt, Journalist, Autor

 

Hunde irren sich nie!

bela2Ich ging mit meinem mittlerweile gelegentlich tiefenentspannten (jedenfalls rede ich mir das gerne ein) Höllengefährten eine Straße entlang, die neben einem öffentlichen Bad liegt. In gewohnter Manier federte ich dort um eine unübersehbare Ecke, denn wenn es um uneinsichtige Straßenwinkel und dunkle Gassen geht muss ich der Erste sein, der vorangeht. Bevor es kracht.

Bin ich zu langsam, ergreift der Hund die Initiative und dann kann es vorkommen, dass wir plötzlich Nase an Nase mit einem anderen Hund stehen. Und das wollen wir gewiss nicht. Meiner mag keine anderen Hunde. Also gar keine. Weder die „Meiner ist eh ein Weiberl“ und auch nicht die „Meiner ist eh ein Manderl“ und auch nicht die Onkels und Tanten dazwischen. Keine.

Um das Zusammentreffen an Straßenecken und Weggabelungen in der Stadt zu vermeiden eile ich eben lässig und bei Dunkelheit betrachtet durchaus dynamisch mit meinem Monster an der Leine dahin. Schnell wie der Wind kratzen wir Kurven und Biegungen um freilaufende Vierbeiner zu vermeiden oder zu umschiffen.

Meist sehe ich dabei so aus, dass ich mich selbst nicht erkennen würde. Das Beinkleid ist der Situation ebenso angepasst wie das Schuhwerk, welches sich in einem Bergwerk unter Tag sehr harmonisch einfügen würde. Ich sehe also für meine Verhältnisse wirklich erschreckend aus, mit meinem drei-Tages-Bart und den extralegeren Hosen.

Diesmal trug ich die allerschrecklichste Variante überhaupt, die Jogginghose. Ich schämte mich bereits als ich eilig in sie hineinfuhr, ich schämte mich auch, als ich in ihr das Haus verließ. Dann war es draußen kalt und sehr windig und ich vergaß kurzfristig darauf, mich zu schämen, weil ich eben konzentriert um diese Ecke federte. (Währenddessen sah ich ganz gewiss weder entspannt noch besonders anziehend aus.)

An der Ecke traf ich auf eine fremde hübsche Frauensperson. Sie ging spazieren. (Eine Perserin, wie sich später herausstellte, denn sie lachte mich an und wir kamen ins Gespräch.) Nicht dieses verschämte Lächeln, es war ein fröhliches offenes Lachen, das man heute nur noch sehr selten in den mitmenschlichen Gesichtern antrifft. Die meisten schauen böse, gelangweilt, verhärmt, zornig, stupide oder einfach gebannt auf ihr Handy.

Die Frau sah mich laufen, mit dem Höllenhund im Schlepptau, und sie lachte aus ganzem Herzen. Ich blieb stehen, was ich sehr selten tue. Meistens renne ich, wenn Menschen uns zu nahekommen, Sie wissen schon, Woaggggggrrrhhh macht es dann aus der Tiefe des mich begleitenden Höllenschlunds, wenn der liebe Hund jemand nicht mag, immer noch.

Manchmal bin ich dafür dankbar. Mein Hund irrt sich nie. Seine Menschenkenntnis ist unbezahlbar, unübertrefflich sowie absolut unbestechlich. Immer. Diesmal blieb ich aber stehen, weil die Frau wunderhübsch war, und machte einen saloppen Stolperschritt, während ich versuchte, dabei nicht über den Hund zu fallen und erwartete ein Groaooogrrrrwähhhh aus der geliebten Kehle. Das Groaooogrrrrwähhhh blieb aber aus. Der Hund ignorierte die fremde Dame gekonnt, ganz so als wäre sie Luft.

Was für ein vorzügliches Zeichen für erlaubte Kommunikationsaufnahme!

Seit der Hund bei mir eingezogen war ließen zwischenmenschliche Kontakte sehr zu wünschen übrig. Meistens beschränkten sie sich auf Streitgespräche mit uneinsichtigen Hundehaltern, die ihre Fellfreunde nicht anleinen wollten; Besuche bei uns Zuhause waren nicht mal im Abnehmen, sondern völlig gestrichen. Es kam einfach mit der Zeit niemand mehr. Jedenfalls nicht gerne. Nur die Hartgesottenen fanden sich damit ab, zwar hinein, aber nicht mehr freiwillig hinausgelassen zu werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich sprach sie also an und meinte, so charmant wie es solche Hosen in der Öffentlichkeit überhaupt zulassen: „Es sind die Hosen, stimmts?“. (Dazu muss ich noch hinzufügen: Die Hosen waren auch farblich eine Entgleisung. Sie sind mintgrün.)

Sie lachte wieder und diesmal noch herzlicher.
„Es sind nicht die Hosen“, sagte sie, „Menschen müssen einfach mehr Freude im Leben haben.“
Und eilte weiter. Während der Höllenhund so tat als könne er keiner Fliege etwas zu leide tun und ich mit einem wirklich guten, warmen Gefühl im Bauch zurückblieb. Sie drehte sich noch ein-, zweimal um und winkte, wir fielen schnell hinter ihr zurück. Sie verschwand.

Was für ein Tag, dachte ich. Freundliche Menschen zu treffen, die mein Höllentier wortlos zum handzahmen Dackel machen. So muss die Welt sein. Sonnig und hell. Offene Herzen, positive Begegnungen. Viel mehr Lachen.

Und alles wäre gut.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

Tierarzt, Journalist und Autor

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